Eine tragische GAK-Biographie weist der Spieler Dimiter Zwetkoff auf, der von 1920-1926 in Graz an der TU studierte und in dieser Zeit für den GAK rechts im Mittelfeld spielte: „Als Spieler tüchtig, fair und unendlich treu, gab er […] seine letzte Kraft heraus um so seine Farben zum Siege zu führen.“  Nach erfolgreichem Studienabschluss musste Zwetkoff zur Ableistung seines Militärdienstes nach Sofia zurückkehren. Er war wesentlich an der Organisation der ersten Balkanreise des GAK im Sommer 1926 beteiligt und selbst für den Verein FK 13 (heute: Lewski) in Sofia tätig.

Im Jänner 1927 verstarb er an den Folgen einer Lungenentzündung: „Im Spiel gegen Rapid am 6. Februar entbot unsere erste Mannschaft dem treuen Freund den letzten feierlichen Gruß. In der 15. Minute wurde das Spiel auf eine Minute unterbrochen. Es lag tiefer Ernst über dem G.A.K.-Platz, auf dem unser Dimiter so oft gekämpft und große Erfolge erzielt hat, als die Spieler im lebhaften Kampfgewühle plötzlich inne hielten…“

 

In jenem Jahr als das Wunderteam begann, Europa in Erstaunen zu versetzen (1931), wurden von Seiten des Steirischen Fußballverbandes immer wieder Versuche unternommen, eine gemeinsame Meisterschaft mit dem Wiener Fußballverband durchzuführen. Schließlich wurde von den Wienern ein Kompromiss präsentiert, der Weg für die Teilnahme des zukünftigen steirischen Meisters an der quasi „österreichischen“ Meisterschaft war frei. Dass dieser Meister GAK heißen würde war wahrscheinlich: seit 1925/26 hatte er diesen Titel stets errungen (tatsächlich sollte der GAK 1931 wie auch in den folgenden beiden Saisonen Meister werden). Die Wochen der Entscheidung verliefen jedoch ungünstig: zunächst wurden die Vorschläge von einem Vertreter des Wiener Fußballverbandes in Graz auf der Verbandssitzung präsentiert, doch es „lehnten bis auf den G.A.C. sämtliche Vereine aus den gleichen Erwägungen wie schon bei der ersten derartigen Sitzung den Reformvorschlag ab. Der Sp. C. Sturm und der Sp. C. Hakoah brachten durch ihre Vertreter zum Ausdruck, die Vereine seien durch die vieljährige Zusammengehörigkeit mit dem G.A.C. auf die Mitwirkung dieses Vereines in der lokalen Meisterschaft angewiesen. Die Meisterschaftseinnahmen und die sportliche Bedeutung der übrigen Grazer Vereine würden sinken, und die Klubs könnten die dem jetzigen höheren Budget entsprechenden Schulden niemals abdecken. Sie würden sich daher gezwungen sehen, ihre Sportplätze aufzugeben und zu liquidieren.“

Doch damit nicht genug. Eine Woche später spielte Sturm in Wien gegen Rapid und ging mit 1:7 unter. „Fußballer in Atemnot“ wurde getitelt und betont, dass das Auftreten der Grazer „von vielen gleichzeitig als Probe auf das Experiment , die österreichische Meisterschaft auch einem steirischen Verein zugänglich zu machen, gewertet“ wurde. Wenn auch der steirische Fußball für seine technische Fertigkeit gelobt wurde, in Summe – so die Meinung in Wien – solle man bei Amateurmannschaften als Gegner bleiben, statt gegen Profis so unterzugehen. So verwundert es nicht, dass am 17. Juni auf der Verbandssitzung das Angebot auf Aufnahme des Steirischen Meisters zurückgenommen wurde: „Einzelne Herren gebrauchten sogar ziemlich scharfe Worte.“ Einzig der Sp. C. Nicholson stimmte gegen diese Entscheidung, Slovan enthielt sich der Stimme.

Im Sport-Tagblatt vom 20. Juni wurde dazu festgehalten: „Ein weiteres Opfer […] ist aber auch der Grazer Athletiksportklub, beziehungsweise der Steirische Fußballverband. Man hatte seinerzeit den Plan gefasst, nach ungarischem und auch nach tschechoslowakischem Beispiel die Ligameisterschaft auch auf die Provinz zu erstrecken […]. In erster Reihe käme dafür der führende Grazer Verein, also voraussichtlich der G.A.K. in Betracht. […] Man hat also die Steiermärker zum besten gehalten […]“ .

Da in jenen Jahren der GAK drei Mal (1929, 1932, 1933) Amateurstaatsmeister wurde und im eben behandelten Jahr erst im Finale dem LASK unterliegen sollte besteht kein Zweifel an der Stellung als „Erster der Provinzvereine“ zu einer Zeit, als der vormalige GAK-Tormann Rudi Hiden mit dem Nationalteam über Jahre unbesiegt blieb und u.a. Kantersiege über Deutschland gefeiert wurden.

Als es nach dem Anschluss ans Deutsche Reich zu einer Gauliga unter Einbeziehung der Provinzvereine kam, war der steirische Vertreter zunächst der Grazer Sportclub, dann Sturm. Ab der Saison 1949/50 wurde schließlich eine tatsächliche Österreichische Meisterschaft eingeführt. Neben Sturm und Gloggnitz gehörte ihr auch Vorwärts Steyr an, der GAK sollte ab 1951.- also mit 20 Jahren Verspätung - an dieser Liga teilnehmen und platzierte sich sofort als bester Nichtwiener-Klub. Diese Position sollte der Verein bis in die 60er Jahre fast ständig innehaben…

 

In der Zwischenkriegszeit wurde in Europa die Grundlage für den modernen Sport gelegt. Durch die Verkürzung der Arbeitszeit („Achtstundentag“), die gestiegene Mobilität und die verstärkte Teilhabe immer größerer Teile der Bevölkerung an der Politik entstand nach dem Ersten Weltkrieg eine „Freizeitkultur“. Vor und während des Krieges hatte das Fußballspiel Einzug in die Armeen gehalten und durch heimkehrende Soldaten auch im ländlichen Raum Verbreitung gefunden. In der Steiermark kommen weite Teile der Bevölkerung nun sozusagen erstmals mit Fußball in Kontakt, vor 1914 waren lediglich Turnen, Radfahren und Wandern einigermaßen verbreitet. Der bürgerliche GAK ist hierin den nun neugegründeten Arbeitervereinen schon rund 20 Jahre voraus und da der Verein grundsätzlich allen sozialen Schichten offensteht auch Pionier in vielen Sportarten.

Dennoch ist der Sport in der Zwischenkriegszeit geprägt von zwei sich scharf voneinander abgrenzenden Lagern, den „Bürgerlichen“ und den „Arbeitern“. Manche Zeitungspolemik verdeutlicht diesen Umstand. Der GAK entfaltet als großer Allroundverein in den Jahren bis 1938 sehr umfassende Aktivität und ist österreichweit nicht nur im Fußball, sondern vor allem auch in der Leichtathletik und im Schwimmen bekannt. Die Fußballer tragen unzählige heiß umkämpfte Derbys gegen den nun eindeutig als solchen sich herauskristallisiert habenden Stadtrivalen SK Sturm aus und nehmen eine (knappe) Vormachtstellung nicht nur in der Steiermark (10 Meistertitel bei 18 Meisterschaften, 6 für Sturm, 2 für GSC) sondern auch unter den Amateurvereinen Österreichs ein (3 Amateurstaatsmeistertitel). Immer wieder versuchte daher der Steirische Fußballverband und vor allem der GAK eine Aufnahme des Steirischen Meisters in die seit der Saison 1924/25 professionelle Wiener Liga zu erreichen.

1927 feiert der Verein sein erstes großes Jubiläum und bringt auch eine monatliche Vereinszeitschrift heraus, in der sämtliche Sektionen von ihrer Tätigkeit berichten. Auch im GAK selbst gibt es unterschiedliche Lager und eine Debatte, ob der Sport nun „(Deutsch)National“ oder „International“ zu sein habe. Unzweifelhaft ist, dass man auch 1927 sehr stolz darauf ist, den seit der Gründung in den Statuten verankerten „Arierparagraphen“ stets eingehalten zu haben. Allerdings bestreitet der GAK im Gegensatz etwa zum Deutschen Sportklub Leoben sehr wohl Wettkämpfe gegen jüdische Mannschaften und tritt sogar fallweise in gemischten Teams an (so etwa spielt GAK/Hakoah Graz kombiniert im Wasserball gegen Hakoah Wien). Als „Jubiläumsgegner“ zum 25-jährigen Bestehen ist der erste österreichische Profi-Meister Hakoah Wien zu Gast, woran ein Freundschaftswimpel erinnert. Auch von der Hakoah Graz hat man einen derartigen Freundschaftswimpel, wie in der Vereinszeitung stolz berichtet wird (während dergleichen vom Stadtrivalen natürlich nicht existiert).

Einige dieser „Freundschaftswimpel“ und –schilde etc. stammen von den ausgedehnten Tourneen des Vereins in der spielfreien Zeit. Besonders zu nennen sind etwa Reisen nach Split oder Rijeka, die Balkantournee 1926 oder die Italienreise um den Jahreswechsel 1924/25 sowie natürlich die Nordafrikareise im März 1930 (!). Im September 1929 reiste der GAK nach Lettland, wo u.a. Hakoah Riga der Gegner war.

Vor allem Hajduk Split ist mit 10 Begegnungen ein oft besuchter Verein, es finden sich aber auch andere prominente Gegner, etwa Lewski und Slavia Sofia, 1860 München, NK Rijeka (als „Gloria Fiume“), AC Reggiana, SPAL Ferrara, Sampdoria Genua (als Sampierdarenese) oder FC Bologna. Auch zu einem Aufeinandertreffen mit Sparta Prag kam es. Vor allem Einladungen zu internationalen (Auswärts-!)Spielen können nicht als Selbstverständlichkeit angesehen werden und der GAK ist mit Recht stolz auf seine diesbezügliche Beliebtheit (bis 1945 kommt der GAK auf rund 160 „internationale“ Spiele, der sportlich kaum schlechtere SK Sturm nur auf rund die Hälfte).

Insgesamt stellt die Zwischenkriegszeit gesellschaftlich betrachtet einen Höhepunkt für den GAK dar: eine eigene GAK-Redoute legt davon ebenso beredtes Zeugnis ab wie ein Blick in die Liste der damaligen steirischen Sportfunktionäre, unter denen zahlreiche GAK-Mitglieder zu finden sind.

Der „Steirischen Nummer Eins“ vieler Sparten blieb allerdings die Ehre sich mit den Großen Österreichs im Punktekampf messen zu können noch versagt. Im austrofaschistischen Ständestaat konnte der GAK nicht mehr an die großen fußballerischen Erfolge vergangener Jahre anschließen und rutschte im Nationalsozialismus weiter ab.

Steirische Meistertitel (10): 1921/22, 1923/24, 1926, 1927, 1928, 1928/29, 1929/30, 1930/31, 1931/32, 1932/33

Grazer Herbstmessepokal: 1925 (nur 1924 und 1925 neuerlich ausgetragen, die übrigen Turniere fanden vor dem I. Weltkrieg statt)

Amateurstaatsmeistertitel (3): 1929, 1932, 1933 (insgesamt 9 Mal ausgetragen, Rekordmeister)

 

 

Der Sport in der Zwischenkriegszeit war hochgradig parteipolitisch. die Arbeiterfußballer waren aber lange nicht Teil der Arbeitersportbewegung, sondern Teil des bürgerlichen Fußballverbandes (ÖFV), wo sie allerdings die Mehrheit stellten. Im Jahr 1926 spaltete sich dieser Verband, die bürgerlichen Vereine gründeten den ÖFB und die Arbeitervereine den VAFÖ (Verband der Amateurfußballvereine Österreichs), der der Rechtsnachfolger des ÖFV war. Zwischen dem bürgerlichen ÖFB und dem sozialdemokratischen VAFÖ herrschte eine strikte Trennung, d.h. keine Spiele gegeneinander und auch keine Transfers vom einen zum anderen Verband. Viele Arbeiter verließen die bürgerlichen Vereine und wechselten zu VAFÖ-Vereinen, allerdings wechselten viele große Arbeitervereine zum ÖFB, so auch in der Steiermark.

Vor diesem Hintergrund ist zu verstehen, dass die Parteizeitung der SDAP, der "Arbeiterwille", nicht gerade positiv über den konkurrierenden - und letztlich sich durchsetzenden - bürgerlichen Verband und seine Mannschaften berichtet:

 

Gestern ging in der Körösistraße die traditionelle Schlächterei zwischen 22 Menschen vor sich. Von Sport war keine Spur, dagegen gab es Rohheitsexzesse bis oben hinaus, Verletzte auf beiden Seiten und schließlich vier Ausschlüsse. Es war ein fortwährendes Kommen und Gehen von Verwundeten. [...] Solange es Gegensätze drüben gibt, die mit dem Zuruf eines GAK-Fanatikers "Du, benimm dich nicht wie die anderen Proleten!" am treffendsten dargetan sind, solange wird Sturm - GAK immer die Schande des steirischen bürgerlichen Fußballsportes bleiben. Wir können daran nur gewinnen. Das Spiel endete 1:1. Von den heute noch bestehenden Grazer Vereinen gehörten u.a. ESK, Gösting und Austria Graz damals dem VAFÖ an, während GAK, Sturm, Hakoah und GSC dem bürgerlichen Verband angehörten.

Arbeiterwille, Montag, 4. Oktober 1926, S. 4 Sturm - GAK

 

 

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