Der GAK 1902 besiegt den DSC mit 5:0 – und lieferte dabei genug Stoff für einen Hollywood-Blockbuster ab. Wir haben das Drehbuch dazu.

Das Filmfestival "Diagonale" machte diese Woche Graz wieder einmal zur österreichischen Filmhauptstadt. Außer Konkurrenz – unsere Roten sind ja unschlagbar – präsentierte der GAK 1902 am Samstagabend seinen Beitrag. Ein Spielfilm, genauer gesagt ein Spiel-Film, der alle Ingredienzen eines Hollywood-Blockbusters in sich trägt. Und die 2.500 Premierengäste im ausverkauften (Flut)Lichtspieltheater Weinzödl begeisterte. 

Die Rahmenhandlung:

Zweimal hatte der DSC den GAK 1902 in den letzten Jahren geschlagen. Nun aber will der GAK zurückschlagen. Doch die, gleich zu Beginn einmal aus dem Off als "Disneyländer" (eine raffinierte Anspielung für Filmkenner) bezeichneten Weststeirer wollen sich nicht so einfach geschlagen geben.

Die erste Hälfte:

Man könnte den Drehbuchschreibern vorwerfen, dass ihr Werk in der ersten Hälfte einige Längen hat. Aber das mit etlichen Topstars wie Dominik Hackinger oder Patrick Haider besetzte Ensemble lässt sich bewusst Zeit, um die verschiedenen Charaktere herauszuarbeiten. Lukas Graf und Stefan Pfeifer etwa glänzen in der Rolle eines Bollwerks mit Feuerallergie – sie lassen einfach nichts anbrennen. Alexander Rother, der für diese Rolle mit einserner Disziplin im Winter mehrere Kilo abnahm, und Philipp Wendler, der überhaupt erst im Winter zum Ensemble stieß, sorgen zwar für eine stete Beschäftigung der Deutschlandsberger Hintermannschaft, in der mit Jan Gruber ausgerechnet ein ehemaliger GAK-Spieler zu einer darstellerischen Höchstleistung aufläuft, überlassen es aber Dominik Hackinger, für den ersten Höhepunkt dieses Werks zu sorgen. 26 Minuten ist der Film alt, als ein erster großer Griff in die Trickkiste das Highlight der ersten 45 Minuten bringt: Vor einem Eckball des GAK sammeln sich etliche Spieler der Roten unmittelbar vor der Linie des von Christopher Prasser bewachten Tores. Und genau dorthin fliegt auch der Ball – und sorgt für gehörige Aufregung, die auch den Zuschauer in den Bann zieht. Dominik Hackinger ist es dann, dem das Drehbuch die dankbare Aufgabe zuschrieb, den Ball über die Linie zu schieben. Nicht ohne tatkräftige Mithilfe der Deutschlandsberger Hintermannschaft übrigens – eine perfekt inszenierte Szene, man erkennt dabei gut, warum Individualregisseur Ralph Spirk die Offensiv-Hauptdarsteller des GAK vor Drehbeginn immer wieder zu speziellen Proben gebeten hat.

Die zweite Hälfte:

Hier nimmt der Film rasant an Action zu. Das Regieduo Enrico Kulovits (Chefregisseur), der die Premiere übrigens wegen seiner Tätigkeit als Mentaltrainer des ÖFB-U21-Nationalteams versäumt hat, und sein kongenialer Partner David Preiß zeigen da, warum sie – so wie ihr Ensemble auch – durchaus das Zeug haben, in höhere Filmligen aufzusteigen. Das erste Mal wird das in der 58. Minute sichtbar: Dominik Hackinger und ein Deutschlandsberger Verteidiger setzen zum Wettstreit um einen auf der rechten Seite schnell nach vorne gespielten Ball an. Dank eines besonderen dramaturgischen Kniffs (Hackinger erobert den Ball mittels Tacklings und lässt somit den Verteidiger stehen) kommt der Ball zu Alexander Rother. Dieser lässt in dieser Szene erstmals erahnen, warum er stets zu den seriösen Anwärtern auf einen "Oscar" in der Kategorie "Torschützenkönig" gehört. Einfach großes Kino, wie überlegt Rother den Ball im Deutschlandsberger Tor unterbringt.

Entlockte das den Premierengästen bereits tosenden Beifall und gesungene Lobpreisungen, war die Stimmung spätestens in der 68. Minute – nicht zum letzten Mal – auf dem Siedepunkt. Dafür sorgte eine Szene, für welche Alex Rother wohl eine Nominierung in der Kategorie "Tor des Jahres" bekommt. "In dieser Szene spekuliere ich im Mittelkreis damit, dass ein Deutschlandsberger Verteidiger den Ball schräg nach hinten spielt. Ich erobere ihn dann, schaue kurz auf, sehe, dass der Tormann etwas weiter vor seinem Kasten steht, und haue einfach drauf." Eine Szene Marke Traumtor, eine, die Rother auf den Leib geschneidert wurde.

Die letzte Szene im Film, an der Rother mitwirkt, markiert gleichzeitig auch den ersten Auftritt eines hochtalentierten Jungschauspielers namens Filip Smoljan. Den lässt Regisseur Preiß in der 78. Minute für Alexander Rother auftreten. So jung an Jahren der bisang nur in Gebietsliga-Produktionen mit dem Ensemble der KM II aufgetretene Smoljan auch ist (20), so reif ist seine darstellerische Leistung als Stürmer. Die letzten zwölf Minuten des Filmes gehören eindeutig ihm. Erst ist er an der Entstehung eines weiteren traumhaften Tores beteiligt (82.): wunderbare Smoljan-Flanke von links auf Dominik-Hackinger, der lässt volley auf Marco Perchtold abtropfen, der ebenfalls volley versenkt.

Ein weiteres Highlight dieses vor allem in der zweiten Hälfte wirklich großartigen Werks. Welches in einem Happy End mündet, dass wohl auch Hollywood nicht besser hinbekommt: Smoljan wird links im Strafraum angespielt, nimmt den Ball perfekt mit und hämmert ihn von der Seite unter die Latte. Erster großer Auftritt, erstes Tor. Fast ein wenig kitschig, aber auch der Beweis dafür, dass man auch in Graz die Qualität hat, mit Hollywood-Blockbustern wie "A Star Is Born" locker Konkurrenz aufnehmen zu können.

Shootingstar Smoljan zeigte sich im Interview nach der Premiere übrigens sehr bescheiden. Der junge Mann wird ganz sicher noch in etlichen ähnlich guten Produktionen mitwirken. Denn es ist schon fix, dass das Team Kulovits/Preiß mit dem gleichen Ensemble noch mehrere solcher Filme drehen will.

Nach der Premiere:

Unter den 2.500 Gästen waren auch einige prominente Freunde roter Filmkultur. Gesehen wurde etwa Noch-Salzburg-Stürmer Hannes Wolf samt Freundin und GAK Juniors-Trainerin Teresa Hösele, Altach-Kicker Andreas Lienhart sowie die früheren GAK-Darsteller Florian Gruber und Andreas Fischer. Letzterer herzte seinen Freund Alex Rother nach dem Match – und verriet im Interview mit uns, dass er vor etwas mehr als einem Monat erstmals Vater eines Sohnes wurde. Finn heißt der junge Mann, der "ganz brav ist, brav schläft und einfach nur süß ist" (Fischer) – und große Chancen hat, einmal auf Vaters Spuren zu wandeln. Und er MUSS fast eine Rolle beim GAK 1902 spielen – denn Finn Fischer kam am 19.02.2019 zur Welt ...

Trivia zur Premiere:

Nette Idee, dass man einen Vorfilm zeigte – in diesem sah man die KM II des GAK mit 1:0 gegen Wundschuh gewinnen (Torschütze: Ammar Omerdzic). Mit Lukas Hösele, Christoph Pichorner und Luca Puster sah man dort Darsteller, die auch schon zu höheren Filmehren gekommen waren. Und mit Dragan Smoljan den jüngeren Bruder der Entdeckung des Hauptfilmes. 

Eine Art Happy End setzten die Produzenten des Filmes, die GAK-Familie, an das Ende des Abspannes. Nicht "The End" stand da – in riesengroßen Lettern las man:

WE ARE GAK!