Der GAK "verliert" gegen RB Salzburg im Cup-Halbfinale mit 0:6 – und darf sich dennoch als Sieger fühlen. 

Ist es erst 15 oder schon 20 Jahre her, dass sich W. und D. zuletzt gesehen haben? Egal, gestern haben sie sich gesehen, draußen am Stadionvorplatz. Rund eine Stunde vor diesem ganz speziellen Match, ist W. plötzlich auf D. zugegangen. "Du bist doch der D., oder?" Ja, er ist es. Und D. hat W. seinem Sohn vorgestellt. "Das ist der Mann, dem ich es zu verdanken habe, dass ich GAK-Fan wurde – und du es nun auch bist!" W. hat D. im Jahr 1981 zu einem GAK-Match mitgenommen. Seitdem ist D. ein glühender Fan unserer Roten.

Es fällt nicht leicht, etwas eigentlich Unbeschreibliches beschreiben zu müssen. Denn was da an diesem 3. April 2019 geschah, ist eigentlich unbeschreiblich. Und unglaublich. Fast unwirklich. Nein, gemeint ist nicht das, was auf dem Spielfeld passierte. Denn das war sehr real, und ist auch schnell erzählt. Die Millionenstars aus Salzburg waren völlig fokussiert, haben uns – leider – nicht unterschätzt. Sie waren schneller, präziser, variantenreicher – sprich: besser. Kein Wunder, die tun auch nichts anderes als hochbezahlt Fußball zu spielen, haben zuletzt Napoli oder Marseille Paroli geboten. Und uns – so fair muss man sein – haben sie Grenzen aufgezeigt. Und das fast unmittelbar nach dem Anpfiff. Schon nach wenigen Sekunden gab es den ersten brandgefährlichen Warnschuss, nach fünf Minuten konnten die Salzburger ein erstes Mal jubeln. Aber den Rest vom Schützenfest den wollen wir uns hier ersparen.

Und zuerst einmal einen Irrtum korrigieren. Einen schweren Irrtum. "Irgendwer wird grantig sein" titelten wir im Vorbericht. Da konnten wir noch nicht wissen, dass der Grant an diesem denkwürdigen Abend Stadionverbot hatte. Unser großartiger Stadionsprecher Mathias Pascottini bedankte sich auch diesmal wieder beim "besten Fußballpublikum der Steiermark". Künftig wird er sich wohl beim "besten Fußballpublikum der Welt" bedanken müssen. Denn das, was, angetrieben von einer unglaublich fantastischen Kurve, die 13.000 Roten da an Unterstützung, an Leidenschaft, an Liebe zeigten, das verdient das Prädikat Weltklasse. Du stehst da unten, am Rande des Spielfeldes, das Spiel läuft gerade einmal 13 Minuten. Und schon fällt das zweite Tor. Und unsere Kurve, die wird plötzlich noch lauter. Nein, nein, keine Pfiffe oder Unmutsäußerungen sorgen dafür – es ist die pure Liebe zum Verein! Und das ganze Stadion beginnt mitzumachen.

Da beginnt es, das Wunder von Liebenau. Jeder Angriffsversuch wird bejubelt, als wäre er eine Riesenchance. Du bist kurz im Pressebereich, da steht ein Fernseher, die Übertragung läuft. Mit ziemlicher Zeitverzögerung. Du hörst von draußen das Publikum, es schreit auf. Jetzt MUSS eine Chance kommen. Aber sie kommt nicht. 5, 6 Meter ist einer unserer Spieler mit dem Ball Richtung Tor gelaufen – weit weg noch vom Strafraum. Und schon das ließ 13.000 Rote jubeln. Wahnsinn, jetzt schon. Aber das war erst der Beginn.

85. Minute, es steht 0:5. "Steh' auf, wenn Du ein Roter bist" intoniert die Kurve. Du stehst vor dem Sektor 1, drehst dich um – und es haut dich fast um, was du siehst. Alle stehen, klatschen, schreien! Das ist nicht mehr normal – klar, denn das ist GAK. Und was dann passiert, das ist eigentlich unbeschreiblich. Nach dem Schlusspfiff feiern tausende Fans minutenlang unsere Mannschaft. Die Mannschaft, die 0:6 verloren hat! Wir haben Meistertitel gefeiert, Cupfinali gewonnen, Liverpool geschlagen – aber so viel Leidenschaft, so viel Liebe, das hast du bei keinem der Titel und Siege erlebt. 

Dass Salzburg-Trainer Marco Rose gesagt hat, dass der GAK mit diesem Kader in der 2. Liga vorne mitspielen könnte und er zurück in die Bundesliga gehört, das hörst du nur mehr wie durch einen Schleier. Und wenn du am nächsten Tag aufgewacht sein wirst, dann ist es da, dein neues liebstes Haustier – der Ohrwurm. In dir klingt es noch immer, nein, es erschallt in dir: "Oh Grazer AK, wir sind nur für dich da! Ob wir gewinnen, oder verlieren – scheißegal, wir lieben dich!" Und du weißt: Das war der großartigste Abend, den du jemals beim GAK erlebt hast.

Danke an alle, die das ermöglicht haben. Danke an jene, die dieses Match organisiert haben, die das großartige VIP-Buffet auf die Füße gestellt haben, an unser Ticketing-Team, an meine KollegInnen vom Media-Team. Einfach an alle, die uns das ermöglicht haben. Danke Jungs, dass ihr nicht mit hängenden Köpfen übers Spielfeld galoppiert seid. Ihr habt Euch toll verkauft. Danke an unser Trainer- und Betreuerteam. Aber der allergrößte Dank geht an Euch, liebe Fans – mehr kann Euch auch nicht gesagt werden, denn ihr wart im wahrsten Sinne unbeschreiblich! Danke Flo, und all den anderen, die in der Kurve Stimmung gemacht haben!

Mehr als 13.000 Rote sind "nur" als Fans gekommen und als Sieger gegangen. Salzburg gewann das Spiel, der GAK und seine Fans gewannen viel mehr. Und deswegen war auch niemand grantig.

Feiern wir weiter! Am Sonntag trifft unser GAK daheim in Weinzödl auf Kalsdorf (15 Uhr). Unsere Jungs werden vielleicht müde sein, und der Gegner wird wie immer voll dagegenhalten. Lasst' uns wieder Vollgas geben, feuern wir unsere Jungs an – sie werden es uns zurückgeben! Wir sehen uns! Denn:

WE ARE GAK!

Und: Danke W., dass Du mich damals zum GAK mitgenommen hast. Ohne Dich hätte ich das gestern – und all das Großartige in den letzten Jahren – wohl nie erlebt!