Der Start des GAK war nach 1945 auch im Fußball sehr schwierig. Der Stadtrivale war in den Jahren bis zu Gründung der Staatsliga A die führende Mannschaft in der Steiermark. Den Rotjacken gelang es aber, binnen dreier Saisonen aus der Landesliga, über die 1950 neu eingeführte Staatsliga B ins Oberhaus zu gelangen.
Motor dieser Entwicklung war Karl Mütsch (1905 – 1966), Trainer zwischen 1948 und 1951, der – neben den umtriebigen Funktionären wie Karl Fiedler oder Rudolf Födinger und Gönnern wie Anton Herzl oder Evaristo di Lenardo – für den sportlichen Aufschwung sorgte und von Dinamo Zagreb, für dessen erste Nachkriegsmeisterschaft er sorgte, in die Körösistraße kam. Dort betreute er namhafte Spieler wie Željko Čajkovski, dessen älterer Bruder Zlatko („Tschik“) den GAK 1981 kurz trainieren sollte. Weitere Stationen als Übungsleiter waren unter anderem der SC Freiburg oder der FC Lustenau 07. Bevor er in der Saison 1953/54 abermals auf der Bank der Roten saß, war er noch beim KAA Gent in Belgien tätig. Nach dieser Saison kam ein Wechsel zum 1. FC Nürnberg nicht zustande, Mütsch wurde steirischer Verbandstrainer. Als Spieler er war bei Admira Wien, dem Floridsdorfer AC und dem Wiener AC, vorwiegend als Mittelstürmer, unter Vertrag. Die Premierensaison der Staatsliga B verlief äußerst spannend, mehrfach wechselte der Tabellenführer, der GAK war schon Herbstmeister. Am Ende reichte der Vizemeistertitel hinter dem Simmeringer SC für den Aufstieg ins Oberhaus.
Im Sommer 1951 folgt auf Mütsch Josef Pojar, davor Übungsleiter bei Vorwärts Steyr und dem Wr. Neustädter SC, auf der Trainerposition, Für die erste Saison in der Staatsliga A wird die Mannschaft mit Kurt Eigenstiller und Josef Hartl, beide von Vorwärts Steyr, verstärkt. Hartl wird allerdings schon im Winter zum LASK wechseln, Eigenstiller aber bis 1961 202 Ligaspiele für den Rotjacken bestreiten und zu Teamehren kommen. Danach wird er im Verein als Funktionär und Trainer bzw. bei der Traditionsmannschaft GAK'61 als Sportlicher Leiter bis Anfang der 1990er im Dienste der Rotjacken stehen. Weiters stoßen Kurt Schink aus Mödling, Adolf Sigmund (FC Wien) sowie Domenicus „Minnie“ Engel und Torhüter Franz Zrinsky vom Lokalrivalen Austria Graz zur Mannschaft. Ein Engagement von Josef Silhanek, Mittelstürmer des FC Wien, kommt nicht zustande. Mit Leopold Gsöll, durch seine 18 Tore immerhin zweitbester GAK-Torschütze in der abgelaufenen Saison hinter Stefan Kölly, verlässt ein Leistungsträger nach nur einer Saison den Klub wieder.
Neben einigen Testspielen ist die Teilnahme beim Turnier zum 30jährigen Bestehen von Austria Graz (bzw. Südbahn), u. a. mit Gästen aus Italien, das in der Körösistraße stattfindet, Teil der Vorbereitung. Die Rotjacken werden Zweiter hinter dem Geburtstagskind. Große Veränderungen bezüglich der Infrastruktur werfen in diesem Sommer auch bereits ihre Schatten voraus. Die bisherigen Eigentümer der „Hauptmühlwiese“, also des GAK-Platzes, wollen das Grundstück im Sommer 1951 verkaufen und der ÖFB fordert den GAK auf, sein Stadion in einen für die Liga entsprechenden Zustand zu versetzen. Am Ende wird die Übernahme der Anlage durch den Dachverband ASVÖ (der dann wiederum an den GAK verpachten wird) und eine notwendige Sanierung mit dem Neubau der Westtribüne stehen.
Die Premierenbegegnung beim LASK vor 9.000 Zuschauern endet mit einer 1:2-Niederlage. Das erste Tor für den GAK in der Staatsliga A schießt Stefan Kölly in der 39. Minute zum zwischenzeitlichen Ausgleich. Erst kurz vor Schluss fällt der Siegestreffer für die Hausherren.
Die Aufstellung der Rotjacken:
Franz Zrinsky; Emil Czihak, Friedrich Kandler, Anton Landauf, Alfred Pestitschek, Kurt Schink, Kurt Eigenstiller, Adolf Sigmund, Alois Hartl, Paul Halla, Stefan Kölly
Das erste Heimspiel in der neuen Liga geht am 2. September gegen den Wr. Sportclub vor über 5.000 Zuschauern in der Körösistraße mit einem klaren 3:0-Sieg (mit einem Doppelpack von Stefan Kölly) über die Bühne.
Eine saftige Überraschung bringt die 6. Runde, dem Heimspiel gegen den späteren Meister SK Rapid. Durch einen frühen Treffer von Paul Halla sowie einem abermaligen Doppelpack von Stefan Kölly werden die Hütteldorfer vor 8.000 Besuchern mit 3:0 nach Hause geschickt. In der Startaufstellung der Wiener finden sich bekannte Namen wie Walter Zemann, Max Merkel, Ernst Happel, Gerhard Hanappi oder Robert Dienst. Die Presse titelt „Rapid ist nicht mehr Rapid!“ oder spricht von „Rapid-Krise“ und von einem „Husarenstück der Athletiker“. Zu diesem Zeitpunkt sind die Rot-Weißen mit 7 Punkten (3 Siege, 1 Unentschieden, 2 Niederlagen) Tabellen-Fünfte, einen Platz und einen Punkt hinter Rapid.
Kleiner Exkurs zum 3. November 1957, also knapp sechs Jahre später, an dem es für Rapid noch schlimmer kommt: Dieser Tag wird in den roten Klubannalen auf ewig mit jenem 4:1-Sieg gegen Rapid auf der legendären Pfarrwiese in Wien-Hütteldorf in Verbindung bleiben, als das erste „Provinzteam“ den Rekordmeister auf eigener Anlage schlägt! Nach dem Führungstreffer der Einheimischen durch Alfred Körner, schlägt Herbert Ninaus mit drei Treffern zurück. Den Endstand steuert der spätere Rekordtorschütze der Athletiker, Willy Sgerm bei. Mit Paul Halla war bei Rapid auch ein ehemaliger GAK-Spieler am Feld, 1953 nach Wien gewechselt und Teil des WM-Kaders von 1954.
Wieder zurück in die Premierensaison der Rotjacken im österreichischen Fußballoberhaus, der Staatsliga A: Am 9. Dezember findet im Rahmen der 13. Runde das erste Grazer Oberhausderby am Jakominigürtel statt. Beide Mannschaften waren kaserniert, die Nervosität groß, 10.000 Zuschauer vor Ort und der Hausherr galt als klarer Favorit. Das erste Derbytor im Oberhaus schießen zunächst aber die Athletiker: Anton Landauf zirkelte einen Freistoß in Richtung Tor des Stadtrivalen, wo Paul Halla Torhüter Kristen irritiert und der Ball schließlich im Netz zappelt. Vor der Pause fällt noch der Ausgleich und nach dem Seitenwechsel durch einen Elfer der Siegestreffer für die Einheimischen. Es wird der letzte Derbysieg für knapp 13 Jahre sein, den unser Stadtrivale feiern kann. Zum Rückspiel zu Saisonschluss am 15. Juni 1952 fanden sich 8.000 Zuschauer in der Körösistraße ein. Mit den Brüdern Stefan und Alfred Kölly als herausragenden Spielern siegt der GAK ungefährdet und glatt mit 4:1!
Die Herbstsaison wird auf einem zufriedenstellenden 10. Platz mit 10 Punkten aus vier Siegen und zwei Unentschieden beendet. Insgesamt gehen in der ersten Halbsaison 7 Begegnungen verloren. Das Frühjahr beginnt mit einer Siegesserie gegen den Wr. Sportclub (6:4), den LASK (3:0) und dem FC Wien (4:1). Zwischenzeitlich rangiert der GAK sogar auf dem vierten Tabellenplatz. Doch dann folgt ein heftiger Rückschlag. Nach einer 1:2-Heimniederlage gegen die Vienna, nehmen die Hütteldorfer Revanche: Am 5. April 1952 erhalten die Rotjacken auf der Pfarrwiese eine 0:6-Packung von den Rapidlern. Die Athletiker sind jetzt Siebenter der Staatsliga A.
Mit sechs vollen Erfolgen in den letzten acht Meisterschaftsrunden sorgt der GAK dann aber doch für einen imposanten Einstand im Oberhaus: der 6. Platz bedeutet die beste Platzierung einer Bundesländermannschaft hinter den Wiener „Phalanx“, zwei Ränge vor dem Stadtrivalen, direkt vor dem Ligakonkurrenten aus Linz. Mit insgesamt 13 Siegen, 29 Punkten und 66 geschossenen Toren, wovon Stefan Kölly alleine 19 Treffer beisteuerte (7. Platz der Torschützenliste), ist auch während der Saison ein Machtwechsel innerhalb der steirischen Landeshauptstadt endgültig vollzogen worden.
Als eine Folge dieses überragenden Ligaeinstandes wird Stefan Kölly für das Länderspiel gegen die Schweiz erstmals in das österreichische A-Team berufen. Beim 1:1 am 22. Juni 1952 in Genf ist der Stürmer über die volle Distanz im Einsatz. Er war damit, nach Rudi Hiden, der erst zweite Steirer im Nationalteam, zudem der erste Spieler eines steirischen Vereins. Bereits im Mai 1951 war Kölly erstmals beim Nachwuchsteam bzw. wurde im Mai 1952 ins B-Team (gegen Holland) berufen, 1953 folgt noch die Berufung ins Amateurteam. Nach einem Lehrgang für den Olympia-Kader 1952 war der Offensivspieler auch im 30-Mann-Großkader für die WM 1954, ehe seine schwere Verletzung bei der Ostasientournee seine hoffnungsvolle Karriere mit 26 Jahren beendete.
Kölly, am 24. März 1928 in Eisenerz geboren und seit 1939 bei den Rot-Weißen, übernimmt in der Folge beim Verein (u. a. ist er in der Saison 1962/63 kurzzeitig Cheftrainer) und beim Verband (u. a. Vorstandsmitglied 1968 – 1999) zahlreiche Funktionen. Er stirbt am 22. Mai 2018 im Alter von 90 Jahren.
Wolfgang Gruber
Fotos: © Fischer/Sammlung GAK 1902
Titelfoto: Ein 7:0-Kantersieg am 30. August 1953 gegen den FC Wien am alten GAK-Platz in der Körösistraße © Fischer/Sammlung GAK 1902
Anrissfoto: Der erste Teamspieler eines steirischen Vereins, GAK-Stürmer Stefan Kölly © Fischer/Sammlung GAK 1902