Menschen im Hintergrund, meist ehrenamtlich tätig, halten mit ihrem Herzblut Sportvereine am Laufen.
Obwohl er kein Gründungsmitglied des GAK war, drückt Roman Posch als Funktionär in den ersten 50 Jahren seines Bestehens dem Verein mehrfach seinen Stempel auf. Schon bei der allerersten Weihnachtfeier am 19. Dezember 1902 sorgt er als Zauberkünstler (neben Carl Markel) für gute Laune und wird im Jahr darauf für die kommenden 18 Jahre Funktionär des Vereins. Neben seiner Funktion im Hauptausschuss, war er jahrelange Kassier oder Schriftführer. Auch während des Ersten Weltkriegs sorgt Posch als „Alleinunterhalter“ für den Fortbestand von Verein und Sportanlagen in der Körösistraße. Vermutlich wegen einer Augenverletzung tritt der Funktionär sportlich im Verein nicht in Erscheinenung und erspart ihm höchstwahrscheinlich den Kriegsdienst. Mit großem Einfallsreichtum, List und Tücke kann er vor allem den Sportplatz vor dem Zugriff der Behörden bzw. des Platzbesitzers, des Älteren Grazer Bäcker-Mühlen-Konsortiums, retten, die daraus unter anderem einen Kartoffelacker machen wollen. Besonders dafür wird ihm 1922 die Ehrenmitgliedschaft zuerkannt, allerdings erst 1927 offiziell verliehen.
Dazwischen liegen turbulente Jahre. Posch, der auch beim Fußballverband tätig war, galt (wie bespielsweise Emanuel Slama) als Liberaler. Im Streit zwischen ihm und Karl Assmann (Sturm) über das Hinzufügen des Wortes „Deutsch“ vor der Bezeichnung „Fußballverband für Steiermark und Kärnten“ setzte sich am Ende Posch mit seinem Standpunkt durch. Die Beifügung unterblieb. Die Presse bezeichnet ihn daher gerne als „GAK-Macher“. Allerdings übernimmt Roman Posch erst wieder Ende der 1920er-Jahre für einige Zeit für offizielle Funktionen im Gesamtverein und der Fußballsektion. Zur 25-Jahr-Feier 1927 blickt er in seinen Erinnerungen „Meine Kriegsdienstleistung für den GAK“ auf die Zeit von 1914 bis 1918 zurück.
Gesundheitliche Probleme führen in den 1930er-Jahren zu seiner Pensionierung. Beim Wiederaufbau nach 1945 wird aus dem langjährigen „Nicht-Obmann“ plötzlich doch noch ein Vereinsvorsitzender. Von 1946 bis 1949 führt Posch den GAK wieder in geordnete Bahnen. Das größte Steckenpferd des Nicht-Sportlers war der Radsport, weshalb er die Radsport-Sektion der Athletiker wieder zu Leben erweckt und dafür die Laufbahn für Radrennen umbauen lässt – leider auf Kosten der Leichtathleten, die zeitweise ihren Sportbetrieb einstellen müssen. Roman Posch stirb im April 1961 79jährig und wird am Grazer Leonhardfriedhof begraben. Klubobmann Reinthaler würdigte dabei die Verdienste des Verstorbenen und dass das Andenken an das um den GAK hochverdiente Ehrenmitglied in den Herzen seiner Klubfreunde weiterleben werde.
Wer kennt Sie nicht, die unzähligen guten Geister in einem Sportverein, oftmals auch ehemaliger Sportler? Wie Gerry Reiter, der als Torhüter – von Admira Graz und dem FC Bulme kommend – in den 1960er-Jahren im Kader der Kampfmannschaft stand und später bei Gleisdorf, Fürstenfeld oder Voitsberg spielte bzw. auch des Öfteren in der Traditionsmannschaft GAK’61 aushalf. Daneben war Gerry noch Trainer und freiwilliger Fahrer beim Roten Kreuz. Er war bestimmt einer der besten Hallen-Torleute in der Steiermark, allerdings blieb ihm die große Goaliekarriere wegen vieler Verletzungen verwehrt. Auch später war er immer für den Verein da, zunächst als Masseur und bis kurz vor seinem Tod mit nicht einmal 60 Jahren am 10. Mai 2002 als Zeugwart. Wer erinnert sich nicht an die „Gerry, Gerry“-Rufe im Casinostadion und seine Antwort mit einer siegessicheren Faust?
Ähnliches gilt auch für eine treue Seele im GAK-Büro, nämlich Brigitta Birnstingl, die mehr als 20 Jahre für den GAK-Fußball arbeitete und mit den Athletikern durch dick und dünn gegangen ist. Angefangen hat sich eigentlich als Urlaubsvertretung im Sommer 1990, dann hat es ihr so gut gefallen, dass sie geblieben ist, auch wenn sie bis dahin keinen Bezug zum Fußball und zum GAK hatte. Der Begriff „Sekretär“ ist für ihn freilich etwas euphemistisch, wenngleich Raimund Pucher auch als Schriftführer Teil des Hauptausschusses war. Aber eigentlich managte er von 1951 bis 1964 die Rotjacken und war an der Organisation der Tourneen (u. a. 1954 nach Südostasien oder über die Britischen Inseln) und zahlreichen internationalen Freundschaftsspielen in diesem Zeitraum beteiligt.
Kein Legionär aber dennoch legendär war ein Eismann am alten GAK-Platz, der in Anlehnung an den berühmten tschechoslowakischen Leichtathleten „Zatopek“ genannt wurde. Wenn die Zuschauer Geld von den Rängen zu ihm hinunter schmissen, warf er im Gegenzug sein Speiseeis zurück auf die Tribüne. Und ging ihm dieses dann irgendwann einmal aus, sprintet er unter lautstarker Anfeuerung die Laufbahn entlang, um wieder Nachschub zu holen. „Zatopek“ hieß im echten Leben Gottlieb Pechmann (1907 – 1970) und war der Großvater des späteren GAK-Jugendspielers Harald Pechmann (u. a. 1976 steirischer Juniorenmeister). Hartnäckig hält sich zudem das Gerücht, dass ein späterer Präsident eines Grazer Eishockey-Fusionsvereins und Fußballklubs der Helfer jenes legendären Eisverkäufers im Stadion Körösistraße gewesen sei. Jener spätere Funktionär hat übrigens auch der Eishockey-Sektion der Athletiker als Sekretär gedient.
Eine weitere langjährige Institution wäre 2025 90 Jahre alt geworden. Am 10. Oktober 1935 wurde Marian Kueschnig geboren, den aber alle „Mario“ genannt haben. Der hauptberufliche Eisenbahner war zunächst beim ATSE-Eishockey als Masseur, später auch als sportlicher Funktionär tätig. Daneben arbeitete er auch für den Österreichischen Eishockeyverband (ÖEHV) und war mit dem Nationalteam bei den Olympischen Spielen 1976 in Innsbruck. Ab den 1980er-Jahren war „Mario“ beim GAK dann nicht nur für seine heilenden Hände bekannt, sondern auch ein „Mädchen für alles“. Nachdem er 2004 das Double feiern konnte und noch in der Winterpause 2006 auf dem offiziellen Mannschaftsfoto sehen zu ist, verstirbt Marian Kueschnig am 4. April 2007.
Institutionen sind auch die Platzsprecher, so etwa Winfried Schelch. Der jahrzehntelange aktive Fan war im Frühjahr 1974 in der Körösistraße bzw. ab 1982 für drei Jahre im alten Liebenauer Stadion am roten Mikrophon. Sein Vorgänger „Sigi“ Kaufmann übte diese Funktion mehr als eine Dekade aus (und war u. a. auch die Stimme vom ATSE-Eishockey), natürlich ebenso nebenberuflich (neben seinem Hauptberuf beim Bundesheer), davor war Hannes Lammer die „Stimme des GAK“.
Gegenüber dem Platzeingang in der Körösistraße (ungefähr dort, wo heute das auch schon wieder lange ehemalige Klubhaus steht) befand sich in der Zwischenkriegszeit die Werkstatt des Schustermeisters Leeb, der für das Schuhwerk vieler „Generationen“ von GAK-Fußballern verantwortlich gewesen ist. Er reparierte aber nicht nur, sondern war auch ein Tüftler: so baute er für einen besseren Schuss in die Schuhkappe eine Metallplatte ein oder erfand Stoppeln, die man je nach Bodenverhältnissen wechseln konnte. Die Schuhe von Leeb sollen sehr leicht gebaut gewesen sein und einen guten Schutz für den Knöchel gehabt haben.
Wolfgang Gruber
Fotos: © Fischer/Sammlung GAK 1902, Archiv GAK 1902
Titelfoto: „Zapotek“ am alten GAK-Platz © Fischer/Sammlung GAK 1902
Anrissfoto: Roman Posch, der langjährige „Nicht-Obmann“ des GAK © Archiv GAK 1902