Ein Trio ehemaliger Roter feiert in diesen Tagen unterschiedliche Altersjubiläen – die Drei haben auf unterschiedliche Art und Weise viel gemeinsam ...
Unser erster Protagonist ist gleichzeitig auch der Älteste der drei Jubilare, nämlich August „Gustl“ Starek, am 16. Februar 1945 in Wien geboren. Sein Oberhausdebüt gab er 1963 für den Simmeringer SC, spielte danach mehrfach für Rapid, später auch für den LASK, den Wr. Sportklub und die Vienna – zwischendurch vier Saisonen in der Deutschen Bundesliga beim „Club“ in Nürnberg und dem FC Bayern. Mit beiden Vereinen wurde er hintereinander Meister (mit dem Münchner holt er das Double), in Österreich mit Rapid Meister (1967) und Cupsieger (1976). Insgesamt lief der „stürmende“ Mittelfeldspieler 22 Mal für das ÖFB-Team auf.
Berühmt-berüchtigt war Starek, nicht nur als Spieler, sondern später auch als Trainer, für seine Provokationen. So erhielt er eine Sperre von 10 Spielen, nachdem er nach einem Ausschluss am Innsbrucker Tivoli seine Hose in Richtung Zuschauer „lüftete“. Diese Aktion hat ihm letztlich (vom Journalisten Walter Hoyer) seinen Spitznamen „Schwarzer Gustl“ eingebracht. Im Oktober 1980 wechselte Starek faktisch direkt auf die Trainerbank von Austria Salzburg und stand mit den Mozartstädtern im Cupfinale gegen den GAK – mit dem bekannten Ausgang … Beim Rückspiel in Graz-Liebenau landete der emotionale Salzburg-Trainer dann auf der Zuschauertribüne, weil er nach einem Foul das Spielfeld gestürmt hatte.
Nach Ende der so erfolgreichen Cup-Saison 1980/81 übernimmt beim GAK für Vaclav Halama die Trainerlegende Zltako „Tschik“ Cajkovski, allerdings ohne durchschlagenden Erfolg. Nach 14 Spieltagen hatte man nur vier Siege zu verzeichnen, denen drei Unentschieden und sieben Niederlagen gegenüberstehen. Im November ersetzt der Tabellenvorletzte den Altmeister durch Gustl Starek, mit dem der GAK noch Dritter wird und sich – nach 1973 – wieder für den UEFA-Cup qualifiziert. Im Cuphalbfinale scheitern die Athletiker zudem erst im Elfermeterschießen an der Wiener Austria. In den beiden folgenden Spielzeiten sind die Meisterschaftsplatzierungen aber eher mittelmäßig (7. bzw. 8. Platz).Von den insgesamt 90 Pflichtspielen als GAK-Coach gewann der Wiener 40 (Punkteschnitt 1,53) und startete ein – auch aus finanziellen Gründen notwendiges – Verjüngungsprogramm durch die verstärkte Integration von Eigenbauspielern. Sein Nachfolger ist im Sommer 1984 Helmut Senekowitsch.
Starek arbeitet dann bis 1986 beim ÖFB, er wird U21-Teamchef und Co-Trainer unter Branko Elsner. Die erste Station nach Rückkehr in den Ligabetrieb ist Admira-Wacker. Sein Engagement bei Austria Wien endet 1988 schnell. Der streitbare Coach lag sich bald mit Präsident Joschi Walter in den Haaren und warf nach vier Monaten das Handtuch. Danach folgten zwei Jahre beim Stadtrivalen (1989 – 91) und eine Saison bei Rapid.
„Gustl“ Stareks Rückkehr zu den Roten fast eineinhalb Jahrzehnte später erfolgt in turbulenten Zeiten. Nach dem Abgang vom späteren Jahrhunderttrainer Hans-Ulrich Thomale im Sommer 1996, übernahm zunächst Ljubo Petrovic wieder ein prominenter Name (vergleichbar mit 1981). Allerdings war sein Engagement bereits nach 10 Wochen und der „Watschnaffäre“ mit Boban Dmitrovic nach der 1:3-Niederlage im UEFA-Cup gegen Ekeren wieder beendet. Der Europacupsieger mit Roter Stern Belgrad von 1991 wurde noch während des Rückflugs entlassen. Nachfolger Hans-Peter Schaller, bisheriger Co-Trainer und eigentlich bis zum Saisonende als neuer Chefcoach bestellt, wurde dann bereits nach 8 Tagen und einem 1:2 gegen die SV Ried seines Amtes entbunden. Und so übernahm als dritter Übungsleiter in 10 Tagen schließlich Starek wieder das Ruder, der beim VfB Leipzig erst kürzlich vom Trainer zum Aufsichtsrat bestellt wurde. Der Neo-Trainer bescherte den Fans mit einer 1:0-Heimrevanche gegen die Rieder gleich ein Erfolgserlebnis. In der Endabrechnung wurden die Athletiker Meisterschaftsfünfter – Höhepunkt dieser aufregenden Saison waren sicher die Europacupspiele gegen Inter Mailand.
Zur folgenden Spielzeit wurde Starek von Klaus Augenthaler abgelöst und trainierte noch den FC Kärnten. Seine Karriere auf der Bank endete 1999 ohne großen Titel. „Gustl“ Starek pflegt aber weiterhin seine Kontakte zu ehemaligen Spielern, indem er in Graz jährlich zu einem Spielertreffen einlädt oder betätigt sich noch sportlich (Tennis, Golf).
Knapp fünf Jahre später, nämlich am 5. Februar 1950, wird der nächste Jubilar im Südburgenland geboren. 1962 wird dann in heimischen Hannersdorf ein Sportverein gegründet und schon zwei Jahre später beweist ein gewisser Karl Philipp in der Reserve seine Klasse. Mit 15 Jahren debütierte er dann in der Ersten (ebenso trainierte Gustl Starek in diesem Alter schon in Simmering mit der Kampfmannschaft) und hinterließ trotz seiner Schmächtigkeit, aber aufgrund seiner guten technischen Voraussetzungen einen guten Eindruck. Der SV Hannersdorf gelangte so in die burgenländische Landesliga und unser Geburtstagskind oft in die Landesauswahl. Nachdem der SC Eisenstadt nicht so wirklich wollte, schlug letztlich der GAK zu und landete einen Volltreffer. 270 Erstligaspiele (sowie 21 in der Zweitligasaison 1974/75) für die Rotjacken absolvierte der Nebenberufsfußballer zwischen 1968 und 1980 und schoss dabei 34 Tore. Profi war Philipp nämlich nie, sondern arbeitete weiterhin als Bankangestellter. 1978 war er im erweiterten Kader für die Fußball-WM, doch er sah sich – als sein größter Kritiker – selbst dort nicht.
Zu seiner Laufbahn hat er selbst einmal gesagt: „Ich habe nicht sehr viele Tore für den GAK geschossen, aber meistens waren es entscheidende Tore. Ich wäre eher als Spielmacher zu bezeichnen.“ Sein Stammplatz war der linke Flügel und für seine spielerischen Gustostückerln wurde er auch von seinen Gegnern immer wieder bestaunt, Starek wird vermutlich auch darunter gewesen sein. Nach dem Abgang vom GAK mit knapp 29 Jahren folgten Stationen als Spielertrainer beim ESK und seinem Heimatverein in Hannersdorf, dann folgten Deutschlandsberg, Jennersdorf, Feldbach und der SV Neuberg. Abgesehen von der Traditionsmannschaft GAK'61 gab es dann noch einmal eine Rückkehr in die Körösistraße.
1989 wird bei den Athletikern von Obmann Peter Tabor der „steirische Weg“ ausgerufen, wohl mehr aus (finanzieller) Not und Karl Philipp als Trainer (gemeinsam mit Walter Koleznik) dafür auserkoren, allerdings ohne nachhaltigen Erfolg. Auch wenn der eine oder andere talentierte Jungspieler in der Folge noch von sich hören machen wird, gerät der Verein in größte Abstiegssorgen. Philipp wird im Oktober von Adi Pinter abgelöst, der selbst später von Heinz Binder beerbt wird. Sein Punkteschnitt lag bei 22 Spielen bei 0,95. Am Ende steigt der GAK für fünf Jahre in die 2. Division ab. Keiner der Beteiligten denkt gerne an dieses Kapitel zurück, auch wenn der ehemalige Trainer rückblickend beklagt, nicht genügend Zeit mit der jungen Mannschaft bekommen zu haben.
Der jüngste im Bunde der Geburtstagskinder ist Erich Marko, am 27. Jänner 1955 in Köflach geboren. Er hat zu den beiden anderen Jubilaren sicher die größten Verbindungen, der eine war von 1974 bis 1980 sein Mitspieler, der andere im Verlauf von knapp drei Saisonen sein Trainer. Starek charakterisierte seinen Verteidiger einst als routinierten Spieler mit einem Hang zur Überheblichkeit. Wie Philipp war Marko vor der WM 1978 im Großkader des ÖFB und wie sein roter Spielerkollege schaffte er es nicht nach Argentinien.
Über die Stationen seines Heimatvereins und des damaligen Regionalligisten ATUS Weiz kam er in die Körösistraße. Mit Karl Philipp gemeinsam war er in der Zweitliga-Aufstiegsmannschaft von 1975. Bis zu seinem letzten Bundesligaspiel am 31. Oktober 1986 – einer 0:1-Niederlage in Innsbruck unter Trainer Dolfi Blutsch (Marko war knapp 20 Minuten vor Schluss gegen Helmut Sauseng eingetauscht worden) – lief der Verteidiger insgesamt 280 Mal für den GAK im Oberhaus auf. Das Ende war rückblickend gesehen nicht so schön, wie der Weststeirer später beteuerte, aber trotz des Umgangs mit ihm (vor allem durch Trainer Blutsch), blieb er ebenso wie Karl Philipp bei den 61ern weiterhin den Roten am Feld treu.
Nach seinem persönlichen Karriere-Highlight vor der WM 1978 folgt 1981 noch ein weiteres, diesmal für seinen GAK. Erich Marko stand als 81er-Cupheld in beiden Finalspielen (gegen Salzburg-Trainer Gustl Starek) am Feld. Damit hat er sich mit seinen Kollegen tief ins das rote Gedächtnis verankert. Nachdem der Verteidiger dann in der Folge auch im Cupsieger-Wettbewerb gegen Dinamo Tiflis zwei Mal spielte – wie übrigens auch 1973 Karl Philipp im UEFA-Cup gegen Panachaiki Patras – sucht man den Namen Marko ein Jahr später gegen Corvinul Hunedoara allerdings vergeblich.
Vorstopper, Libero und Außendecker waren die Positionen in seiner aktiven Karriere. Die Bundesliga-Statistik wirft zudem noch zwei Tore, 32 Gelbe und nur 1 Rote Karte bei 23.610 gespielten Minuten aus – wie bei Karl Phillip ausschließlich für die Rotjacken! Nach seiner GAK-Zeit war Erich Marko noch im steirischen Unterhaus als Spieler und Trainer, aber auch als Funktionär tätig.
Die Rote Familie wünscht allen drei Geburtstagskindern alles erdenklich Gute für das neue Lebensjahr!
Fotos: © GEPA, Fischer/Sammlung GAK 1902