Die andere Stadionfrage
Aktuelles / Geschichte / Mike Rath / Mittwoch 05.11.2025

Die andere Stadionfrage

Von den einst über 30 in den Ligen des Steirischen Fußballverbandes am Meisterschaftsbetrieb teilnehmenden Grazer Vereinen sind nur mehr 14 übriggeblieben, wobei der Post SV und der ESK aktuell keine „Kampfmannschaft“ aufbieten.

Ähnlich verhält es sich mit den Spielstätten: sukzessive mussten Sportanlagen der Verbauung der einstigen „Vorstadt“ weichen, wie gerade wir GAK-Fans schmerzlich erfahren mussten. Doch mit unserer Trauer über den Verlust der emotionalen „Heimat“ stehen wir nicht allein da. Heute wollen wir daher einen Blick auf die prominentesten „lost grounds of Graz“ werfen.

Dabei möchte ich ein paar Kategorien unterscheiden, denn es gibt eine Reihe von (nicht mehr existierenden) Sportstätten, die zwar um die Mitte des vorigen Jahrhunderts als meisterschaftstaugliche Spielstätten zugelassen waren, später aber nicht mehr genutzt wurden und auch nicht mehr den neuen Regularien entsprachen. Diese – von Firmenmannschaften, Heeressportvereinen, Polizeisportvereinen – betriebenen Anlagen werde ich aussparen.

Weiters gab es die „historischen“ ersten Spielstätten, die zumeist keine Fußballplätze im eigentlichen Sinn waren, sondern etwa die „ungenutzte Mittelfläche“ der Trabrennbahn oder von Radrennbahnen. Der Vollständigkeit halber seien sie erwähnt.

Und dann sind da jene Anlagen, wozu der Sportklubplatz, der GAK-Platz, der Körnerplatz und andere zählen, auf denen namhafte Vereine beheimatet waren, wo packende Meisterschaftsspiele und zahlreich besuchte Sportveranstaltungen abseits des Fußballs stattfanden. Diese Anlagen möchte ich ins Zentrum meiner Betrachtung stellen.

Die Situation der Frühzeit (1894 – 1914)

Gespielt wurde auf Wiesen, die als groß genug und eben genug für die Austragung eines Fußballspieles empfunden wurden. Tore wurden bei Einführung des Fußballsports improvisiert (Stangen mit Seil als „Querlatte“), Netze wurden zunächst noch nicht verwendet.

Landesturnhalle &copy Grazer Museum
Landesturnhalle © Grazer Museum

Das „erste Fußballspiel“ auf österreichischem Boden soll sich auf dem Turnplatz der Landesturnhalle am Fuß des Schlossbergs zugetragen haben. Der „Akademisch Technische Radfahr Verein“ (ATRV) trug hier ein internes Match aus, über das begreiflicherweise keine Notizen in Zeitungen zu finden sind. Die Historiker der Fußballfrühzeit erwähnen jedoch einhellig dieses – unentschieden endende – Spiel, das jedoch heute nicht mehr verifiziert werden kann. Es kann jedoch mit Sicherheit gesagt werden, dass in Wien definitiv bereits vergleichbare „interne“ Matches zur Austragung kamen. In Graz, wo Studenten den Fußball einführten, war dieser jedoch Teil des Sportprogramms etablierter Vereine, während sich die ersten Fußballklubs in Wien geringfügig später gründeten. Der in Wien von diesen ersten Vereinen (First Vienna FC, Vienna Cricket and Football Club) betriebene Sport befand sich jedoch näher an dem, was wir heute unter Fußball verstehen als die „Versuche“ der Grazer Radfahrer, wie erste Vergleichskämpfe zeigten.

Bereits 1894 adaptierte der ATRV den Innenbereich der großen (alten) Radrennbahn am heutigen Messegelände als Heimstätte. Die Radrennbahn gegenüber der Messe in der Conrad-von Hötzendorfstraße (heute Styria Media), ob ihrer Form als „Birnenbahn“ bezeichnet, stand lt. Fußballkenner Redakteur Dietrich im Miteigentum des ATRV (gemeinsam mit zwei weiteren Radsport-Clubs, die auch Klubhäuser hier betrieben) und diente als neue und eigentliche Stätte des Spielbetriebs.

Schließlich ist der Innenbereich der Grazer Trabrennbahn (ebenfalls Messegelände) ab 1899 die Heimstätte des Grazer Sportvereins/Akademischen Sportvereins.

Radrennbahnen © Stadtplan Graz, Hervorhebungen W. Wehap, Verwelkter Lorbeer: Bahnrennen in Graz
Radrennbahnen © Stadtplan Graz, Hervorhebungen W. Wehap, Verwelkter Lorbeer: Bahnrennen in Graz

Die Zeit des Improvisierens endete mit der Errichtung des für rund 100 Jahre wichtigsten Fußballplatzes der Stadt: der Wiese in der Körösistraße. Unser „mythisches“ Gründungsdatum, der 18.08.1902 spielt auf das erste Training auf dieser Anlage an, nachdem die Tore kurz zuvor von einem Zimmermann errichtet worden waren. Der erste „richtige“ Fußballplatz der Steirischen Hauptstadt trat in die Sportgeschichte. Hier wurde auch die erste richtige Tribüne murseitig errichtet. Dem Zeitgeist – und der sozialen Stellung der Zuseher? – entsprechend waren nicht nur Umkleidekabinen für die Spieler vorgesehen, sondern auch ein „Dienstbotenzimmer“, wo die Diener der Tribünenbesucher auf ihre „Herrschaft“ warten konnten.

GAK Platz 1920er © GAK-Archiv
GAK Platz 1920er © GAK-Archiv

Doch gerade in der Frühzeit tummelten sich mehrere Vereine in Graz: die stärksten waren neben dem GAK zunächst der schon genannte „Akademische Sportverein“ sowie vor dem Ersten Weltkrieg die „Grazer Sportvereinigung“. Die GSV spielte am Platz in der Fröhlichgasse. So auch ab 1910 ein Hobbyklub, der 1912 um Nichtuntersagung ansuchte und in der Folge als ordentlicher Verein im Vereinsregister als Sportklub Sturm eingetragen worden war. In ihm erwuchs unserer Zweiten Kampfmannschaft vor dem Krieg ein ernsthafter Rivale. Daneben spielten aber auch „Rapid“ und die „Amateure“ in der Zweiten Klasse. Die erste Klasse (eine Einteilung die vom österreichischen Verband aufgrund der Spielstärke getroffen wurde, was für das Vereinbaren von Wettspielen wichtig war) bestand vor dem Ersten Weltkrieg ausschließlich aus dem GAK, dem auch attestiert wurde, von der Spielstärke her der „Erste der Provinzvereine“ zu sein. Der Rapid-Platz kann nicht mit Sicherheit verortet werden, er befand sich im Bezirk Lend in der Nähe des Zollamtes, als Adresse wird die Lastenstraße genannt. Der Platz der Amateure lag auf dem Gelände des heutigen Cityparks, die Adresse lautete auf Brückenkopfgasse. Rapid ging nach dem Ersten Weltkrieg übrigens in der Mannschaft von Sturm auf.

Amateureplatz © Stadtarchiv Graz
Amateureplatz © Stadtarchiv Graz

Neustart nach dem Ersten Weltkrieg – rege Bautätigkeit

Durch den im Militär während des Krieges bekannt gemachten Fußballsport und vor allem aufgrund der umfassenden Sozialgesetzgebung verbreitete sich der Fußball nach dem Ersten Weltkrieg in allen Schichten der Bevölkerung und es kam zu zahlreichen Vereinsneugründungen, vor allem auch durch die organisierte Arbeiterbewegung. Am Stadtrand/in der Vorstadt wurden daher auch zahlreiche neue Sportstätten angelegt. Der bekannteste dieser 1919 angelegten neuen Sportplätze ist der neue Amateure-Sportplatz in der Engelgasse (heute steht an dieser Stelle das Unionbad). Der Untermieter der nur kurz erstklassigen Amateure sollte seine Vermieter bald überflügeln und steirische Sportgeschichte schreiben: Hakoah Graz. Doch auch im (damaligen) Grazer Westen, am Exerzierplatz der Lazarettkaserne, in der Bahnkurve der Ostbahn, etwas südlich der heutigen Hohenstaufengasse wurden Fußballplätze errichtet. Der „Deutsche Sportklub“ eröffnete im April 1919 seine Anlage und auch der erste Verbandsplatz war ebendort zumindest geplant. Auch Sturm errichtete seinen eigenen Platz in der Klosterwiesgasse und mit der Gründung weiterer Vereine folgten Schlag auf Schlag auch neue Sportstätten: 1923 in Gösting, sowie der VAS-Platz in Eggenberg der 1927 zum (Arbeiter-)Kammerstadion ausgebaut wurde, 1928 bei der damaligen Endstation der Straßenbahn der Sportplatz Liebenau und schließlich 1932 der Südbahn-Platz in der Überfuhrgasse und der Körnerplatz (heute Union Ballsporthalle). Das modernste Stadion wurde 1937 vom Grazer Sportklub Straßenbahn auf dem Gelände der alten „Birnenbahn“ errichtet. Auch nach dem zweiten Weltkrieg waren die „großen drei“ der GAK-Platz, die Gruabn und der GSC-Platz.

GSC Platz © GAK Archiv
GSC Platz © GAK Archiv

Der „Heimvorteil“ wurde in den 50er-Jahren in Graz nicht besonders akkurat mitbedacht. Der GAK trug Heimspiele am Sturm-Platz aus, dazu kamen oft Doppelveranstaltungen auf fremdem Platz und sogar Grazer Derbies zwischen GAK und Sturm wurden manchmal am GSC-Platz ausgetragen, weil dieser die beste Anlage darstellte. Auch für Andritz und Straßgang sind bereits vor der Eingemeindung 1938 Fußballplätze belegt.

Viele Fußballplätze der Zwischenkriegszeit lassen sich heute nicht mehr leicht lokalisieren, aber natürlich gab es auch einen Platz des Werkssportvereins Puch und etwa auch einen Platz in der Mariengasse etwa im Bereich der Siedlung bei der AVL auf dem der Arbeiter Athletiksport Club (AAC) nach dem Krieg spielte, aber auch zeitweise Hertha Graz.

Platz in der Mariengasse
Platz in der Mariengasse

Bald nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die bestehenden und die vielfach schwer beschädigten Plätze instandgesetzt und zahlreiche neue errichtet. Der Waagner-Biro-Platz etwa wurde 1952, der Verbandsplatz 1953 eröffnet.

Die bedeutendsten Fußballplätze von Graz sind mit der bekannten Ausnahme am Jakominigürtel heute alle verbaut: an den GAK-Platz erinnert lediglich eine Gedenktafel an der Mauer zur Tennisanlage des Vereins, der Sportklubplatz ist eine kleine Parkanlage bzw. Sitz der Styria-Medien AG, während am früheren Körnerplatz und in der Engelgasse noch Sport betrieben wird, wenn auch Hand- und Basketball bzw. Schwimmen.

Kammerstadion © Arbeiterwille
Kammerstadion © Arbeiterwille
DER GRAZER STADTKLUB - gegründet 18.08.1902