Zwei Hälften, zwei Gesichter. Der GAK holt einen Punkt in Amstetten.
Aktuelles / Spielberichte / Wolfgang Kühnelt / Sonntag 30.10.2022

Zwei Hälften, zwei Gesichter. Der GAK holt einen Punkt in Amstetten.

Wollen wir positiv beginnen: Wie gut, dass wir kein Heim-Match hatten. Erstens, weil in Liebenau nach dem Spiel der Schwarzen gegen Feyenoord kaum mehr Sanitärräume vorhanden waren. Und zweitens, weil dadurch nicht so viele GAK-Fans mit ansehen mussten, wie sich die Roten gegen Amstetten in Hälfte 1 präsentierten. An dieser Stelle übrigens ein Lob an alle Mitgereisten. Sie waren über weite Strecken sehr deutlich zu hören in Amstetten.

Die Mannschaft war gründlich umgebaut worden, nicht alle Rotationen erfolgten freiwillig. Perchtold etwa war verletzt. Die Folge: Vorne lief es nicht zusammen. Hinten aber auch nicht. In der 21. Minute foult Jovicic den Amstettner Weixelbraun. Der Ex-GAK-Spieler Tschernegg bedankt sich höflich und rollt per Elfer den Ball ins Tor. Dabei hatte Milos Jovicic doch völlig richtig vor dem Match gesagt: "Wir müssen einfach fokussiert sein. Wenn wir alles geben, konzentriert sind, Aggressivität auf den Platz bringen und weniger Fehler im Aufbauspiel machen, glaube ich, dass wir in Amstetten gewinnen können." Aggressiv ist aber erst mal nur der Gegner. Und vor allem die linke Abwehrseite, die ziemlich oft überlaufen wird, scheint überfordert. So auch in Minute 29. Der Ball kommt zur Mitte, Feiertag darf sich über einen Geschenkskorb der Defensivabteilung freuen und schießt zum 2:0 ein. Nun wird es zwar nicht fröhlich, aber feucht: Die GAK-Hintermannschaft gerät immer mehr in Schwimmen. Und erst in der 45. Minute kommen die Grazer zu einer ersten echten Torchance. Jager kann sie nicht nutzen.

Zur Pause wird Trainer Messner seiner Mannschaft das eine oder andere geflüstert haben. Mit Eloshvili, Lang, Graf, Gantschnig und Schiestl kommen peu á peu neue Spieler. Und vor allem der Georgier macht keine schlechte Figur. In der 52. Minute funktioniert es auch endlich. Liendl auf Eloshvili und der köpfelt den Anschlusstreffer. Spätestens ab Minute 60 übernimmt der GAK das Kommando, wobei dieser Ausdruck schöner klingt als das Spiel aussieht. Es ist kein Match, sondern ein Kick. Es wird hüben wie drüben nach vorne geschossen. Aber, oh Wunder: Die Amstettner erinnern sich, dass sie zuhause gar nicht sooo eine Macht sind und agieren immer nervöser.

Der GAK kommt zu Chancen. Vor allem, wenn Liendl den Freistoß tritt. Danke Amstetten, heißt es dann in Minute 78. Peham wird im Strafraum allein gelassen, er kommt unbedrängt zum Schuss und erzielt den Ausgleich. Und nun ist sogar die Chance auf den Auswärtssieg eine realistische Option. Nach einem neuerlichen Freistoß von Liendl kommt Rusek an den Ball, der wiederum ist drin und Rusek liegt nach einem Crash mit dem Goalie am Boden. Tor gibt der Schiedsrichter trotzdem nicht, Elfer auch nicht, es soll Abseits gewesen sein.

Die Mostviertler zittern, die Grazer drängen nach vorne. Aber mehr als das 2:2 ist an diesem Abend nicht mehr zu holen. Einige Fragen tun sich nach dem Abpfiff auf: Erstens die Frage nach dem Sinn des Beginns. Warum nur so eine maue Leistung in den ersten 45 Minuten? Zweitens: Hatte Peham, um nur einen Offensiven zu nennen, vor seinem Tor mehr als drei Ballkontakte? Und drittens: Wäre es okay, so ein Match in Zukunft auf TikTok zu sehen? Mehr als zwei Minuten an Highlights werden es in Summe nicht gewesen sein.

Und trotzdem wollen wir so positiv enden, wie wir begonnen haben: Guat is gangn, nix is gschehn. 1 Punkt beim Zweitplatzierten? Da sollte man nicht jammern. Und mit einer Leistung wie der in Hälfte zwei sollte Dornbirn in der nächsten Partie auch zu biegen sein.

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