Vor jedem Spiel bin ich voller Freude und Begeisterung.
Aktuelles / Blog "Fansektor" / Mike Markart / Dienstag 02.12.2025

Vor jedem Spiel bin ich voller Freude und Begeisterung.

Zwei Dinge begleiten mich mein Leben lang. Die Begeisterung für Brettspiele und seit meinem fünften Lebensjahr die Liebe zum GAK. Meinem Vater habe ich diesen Umstand zu verdanken. Er nahm mich im April 1966 endlich mit auf den Fußballplatz. Gegen den LASK. Der Einstieg in die Leidenschaft Fußball ist perfekt gelungen. Es gab damals nämlich einen 2:0 Sieg zu feiern. In der Nationalliga.

In den Jahrzehnten habe ich viel verstanden, das Spiel als solches betreffend. Zuerst habe ich durch die Brettspiele gelernt, das Gewinnen zu lieben, aber auch die Niederlage als Teil des Spiels zu akzeptieren. Im Fußball hat es länger gedauert. Viel länger. Es ist nämlich gar nicht so lange her, dass eine Niederlage mir das Wochenende gänzlich versaut hat. Ich konnte mich weder mit irgendjemandem vernünftig und mit Freude unterhalten, noch konnte ich die Wohnung verlassen. So entkräftet war ich, nachdem ich mich vom Stadion nach Hause geschleppt hatte. Ausgekühlt auch mitten im Sommer.

Als Fußballfan hatte ich es also nicht immer leicht. Ganz im Gegenteil. Aber etwas hat sich vor kurzem verändert in mir. Der Wiederaufstieg hat es für uns GAK Fans nicht angenehmer gemacht, wie wir wissen. Die Zeiten von Siegesserien waren schlagartig vorbei. Eine Niederlage nach der anderen hatte ich vom Spiel mit nach Hause zu tragen. Aber genau in dieser Zeit legte sich in mir ein Schalter um. Gerade wenn ich zu Spielen zu gehen hatte, in welchen normalerweise die Hoffnungslosigkeit sich einen Platz genau neben mir aussuchte, erwachte in mir eine große Freude und Begeisterung. Das ging schon die halbe letzte Saison so, in welcher wir den Klassenerhalt dramaturgisch perfekt erst ganz am Ende der Meisterschaft sicherten.  

Und auch jetzt ist es nicht anders. Und das Sagenhafte ist: Diese Freude und Begeisterung schickt mir seit einigen Runden die Mannschaft zurück auf die Tribüne. Erstmals seit dem Wiederaufstieg. Wärmt meinen auf den Rängen der Jahreszeit entsprechend ausgekühlten Körper.

Das Spiel gegen die Blauweißen aus Linz war mein letzter Stadionbesuch für dieses zu Ende gehende Jahr. Ich fahre nämlich für einige Zeit ans Meer. Um es in aller Ruhe zu bewundern. Natürlich habe ich die notwendigen technischen Hilfsmittel im Gepäck, um die Spiele meines GAK trotzdem verfolgen zu können. 

Jeder von uns hat sich die Szenen vom Spiel gegen die Linzer viele Male angesehen. Die Tore. Die Kommunikation der Spieler miteinander. Über das ganze Feld hatte jeder die Ideen des anderen ständig im Auge.

Das Spiel gegen die Linzer war vielleicht das perfekte Spiel in dieser bisherigen Saison.

Was für ein wunderbares Geschenk hat mir die Mannschaft eingepackt, um mich auf die Reise in den Süden zu schicken, denke ich. Davon kann ich nun zehren. Von diesen 90 Minuten. Und darüber hinaus haben sich die Feierszenen vor der wie immer grandiosen Kurve eingetragen in mich. Die Umarmungen der Spieler untereinander. Ihre Freudentänze. Alles war ein wenig verrückt am letzten Samstag. Und neben mir standen einige, die ihre Rührung gerade noch hinter ihrem GAK-Schal verbergen konnten. Ich vielleicht auch.

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