Die Nachbetrachtungen zu den Spielen des GAK 1902 werden von unabhängigen, ehrenamtlichen Autoren nach dem Prinzip „von Fans für Fans“ erstellt. Ohne Wahrheitsanspruch geben sie Erlebnisse und Empfindungen zum Spieltag wieder. Somit sind diese externen Beiträge keinesfalls als offizielle Vereinsstatements zu werten.
Nachdem das Post-Hartberg-Syndrom Teile des Anhangs in Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung gezwungen hatte, darf nun das Ried-Spiel in kollektive „Wir-haben-es-schon-immer-gewusst“-Gefilde führen. Die grundsätzlich Zuversichtlichen wurden für ihre Haltung belohnt – die ständig kritisch Zweifelnden sahen die von Ihnen urgierte und vorgeschlagene Kehrtwendung der Spielauffassung bestätigt. Alle zufrieden – passt doch. Aber der Reihe nach.
Satin, Maderner und Koch fehlten in der Startaufstellung. Was manche als internes Rumoren oder Paradigmenwechsel interpretierten, entpuppte sich später als Schicksal der Ausfälle über eine Saison hinweg, das die qualitative Breite des Kaders auf die Probe stellt.
Dafür starteten nun Hofleitner, Schriebl und Lichtenberger.
Und gleich zwei der drei Vorgenannten zeichneten für das 1:0 in Minute 7 verantwortlich. Neo-Kapitän Schriebl zirkelte einen Freistoß an die Fünfer-Ecke, von der aus der heranstürmende Hofleitner den Ball per Kopf unhaltbar in die Maschen knallte. Beim mittlerweile obligaten Strafraum-Wrestling waren der Rieder Steurer und unser freies Strafraum-Radikal Harakate auffällig, aber Gott sei Dank für Schiedsrichter Hameter nicht relevant für die Gesamtsituation. Endlich einmal ein bisschen Spielglück. Umstände und Zeitpunkt waren ideal.
Danach wurden die Positionen bezogen. Der GAK war darauf ausgelegt, den Ball kontrolliert in den eigenen Reihen zu halten und erst dann nach vorne zu spielen, wenn es eine echte Lücke gäbe. Und die Lücken gab es. So erreichte in Minute 26 ein abgeblockter Ball (schon wieder Schriebl) aus dem Mittelfeld Ramiz Harakate, der sich mit Geschwindigkeit und Durchsetzungskraft an zwei, drei Gegenspielern vorbeidribbelte und von der Strafraumgrenze ins rechte untere Eck abschloss. Ein Tor des Willens und des Glaubens.
Neben der Ballbehauptung am eigenen Strafraum fiel auch das sehr aktive Attackieren unserer Jungs auf, wenn die Rieder am Ball waren. Dadurch ergab sich nach der frühen 2:0-Führung zwar viel Ballbesitz für die Rieder, aber keine wirklich nennenswerten Aktionen vor dem Tor der Grazer.
Die nächste Lücke nutzte kurz vor der Pause Klassen, der den Ball von Lichtenberger in den Lauf serviert bekam, aber an Rieds Torhüter Leitner scheiterte. Das hätte das vorentscheidende 3:0 sein können.
So ging es in Halbzeit zwei weiter. In Minute 49 spielte Stolz einen unglaublichen 70-Meter-Pass auf Klassen, dessen Querpass auf den mitgelaufenen Harakate von Sollbauer gerade noch so viel abgelenkt wurde, dass Ramiz die sonst hundertprozentige Chance nicht abschließen konnte. Spätestens das wäre die Entscheidung gewesen. Später zeigte auch noch Jacob Italiano seinen Speed, als er nach Olesen-Zuspiel aus der eigenen Hälfte bis an den Strafraum der Innviertler sprintete und dort den letzten Verteidiger aussteigen ließ, um den Abschluss nur Zentimeter neben die Torstange zu setzen.
Dann wurde es doch noch fahrig und ruppig. Mehrmals zückte Hameter, der bis dahin die Partie eigentlich wohltuend flott laufen hatte lassen, die Karten. Neben Gelb für Hofleitner und Feldhofer gab es eine nachvollziehbare, aber von der Motivation her unverständliche Rote Karte für den mittlerweile eingewechselten Mark Grosse. Ein unnötig riskantes Einsteigen in der eigenen Hälfte von hinten in die Beine des Gegners brachte nochmals Unruhe in unser Spiel. Doch zuvor war auch schon der Anschlusstreffer gefallen. Ante Bajic konnte den Ball in die Mitte vor das Tor bringen, wo der zur Verstärkung der Defensive eingewechselte Graf den Ball unglücklich ins eigene Tor ablenkte. Lukas stand allerdings unter Zugzwang, denn am zweiten Pfosten warteten bereits zwei Rieder, um den Querpass zu verwerten. Nur durchlaufen lassen wäre auch keine Option gewesen.
Die letzten Minuten waren für die gelernten GAK-Fans natürlich die Hölle – zu oft hatte man schon sicher geglaubte Punkte die Mur hinunterschwimmen sehen. So aber nicht heute: Der Schlusspfiff ertönte und unsere Mannen jubelten ausgelassen. Der Anhang mit ihnen.
Ach, wie schön – jetzt noch in Innsbruck gegen WSG Zählbares mitnehmen, und der Showdown nach Punkteteilung kann kommen. Der Weltuntergang in einigen Teilen des Anhangs ist wieder einmal aufgeschoben, und das zarte Pflänzchen der Zuversicht sprießt in den ersten Frühlingstagen in Graz wieder.