GAK 1902 Aktuelles
News / Redaktion / Donnerstag 07.10.2021

Der Grazer Herbstmessepokal

Am 29. September 1906 wurde in der 1880 errichteten Industriehalle in der heutigen Conrad-von-Hötzendorf-Straße die erste Grazer Herbstmesse eröffnet – das wirtschaftliche Barometer für die umliegenden Regionen und jahrzehntelang ein Publikumsmagnet.

Knapp 14 Tage vorher finden bereits die Vorrunden- bzw. Halbfinalspiele eines neuen und erstmalig ausgetragenen Fußballwettbewerbs statt ...

Wichtigster Fußballwettbewerb von 1906 bis 1913

Das von 1906 bis 1913 (mit Ausnahme von 1912) durchgeführte „Fußball-Turnier um den Pokal der Grazer Herbstmesse“ wird fortan das wichtigste Fußballereignis außerhalb Wiens (Challenge-Cup), bis zum Beginn des 1. Weltkriegs bzw. zur Aufnahme des offiziellen Meisterschaftsbetriebs in der Steiermark 1920, sein.

Die siegreiche Mannschaft erhielt den, vom Verein „Grazer Herbstmesse“ gestifteten, Wanderpokal, der beim dritten Sieg in den Besitz des Vereins überging, außerdem gab es repräsentative Medaillen – siehe Fotos im Anhang!

1906: Auftaktsieg für Rot

Die erste Ausgabe des neuen Wettbewerbs wurde am 8. August 1906 für "jede deutsch-alpenländische – außer niederösterreichische – und jede karstländische" Mannschaft ausgeschrieben. Allerdings nahmen am Ende nur zwei Vereine (jeweils mit zwei Mannschaften) teil, nämlich der GAK und die Grazer Sportvereinigung (GSV), ein Verein, der sich 1906 vom GAK abgespaltet hat (aber nichts mit der 1935 gegründeten GSV zu tun hat, die in weiterer Folge dann auch als GSV/Wacker bekannt war). Diese erste GSV aber entwickelte sich in diesen Jahren zum größten lokalen Rivalen des GAK, bis sie nach 1910 von Sturm abgelöst wurde und später aufgelöst wurde.

Nachdem der Akademische SV Leoben seine Teilnahme zurückzog (und im Semifinale auf den GAK getroffen wäre), spielten die Grazer Vereine den Sieg unter sich aus. Der GAK zog mit 12:0 über die GSV II her und die zweite Mannschaft des GAK schlug am 23. September in der Körösistraße die GSV I klar mit 9:3, womit der GSV auch nicht die Erstklassigkeit zuerkannt wurde.

Im komplett roten Finale am 4. Oktober am GSV-Platz in der Fröhlichgasse schlug die „1er“ die „2er“ klar mit 8:1 (das Ehrentor fiel beim Stand von 3:0). Der GAK ist somit Premierensieger des Grazer Herbstmessepokals.

1907: Wiener Vereine am Vormarsch

Nach dem erfolgreichen Start kommt es bei der zweiten Auflage (diesmal sind alpenländische – auch Wiener – Vereine zugelassen) bereits zu einem Finale zwischen einem Grazer und Wiener Verein – wobei die Teams aus der Bundeshauptstadt die nächsten drei Auflagen dominieren sollten ...

In der lokalen Vorrunde gewinnt der GAK am 15. September 1907 in der Körösistraße gegen die GSV klar mit 5:0. Mit Carl Markel (im Tor), Robert Brodner, Fritz Köhler und Fritz Schmiderer stehen dabei gleich vier Vereinsgründer am Feld.

Kurios verläuft die Vorrunde in Wien zwischem dem Sportclub (in einigen Quellen ist auch von „Viktoria“ die Rede), der mit seiner zweiten Mannschaft antritt, und Rapid. Das Spiel musste zwei Mal aus unterschiedlichen Gründen unterbrochen werden (kein Referee erschienen, Protest des Sportclubs etc.), und wurde letztlich an drei verschiedenen Tagen ausgetragen (15., 19. und 21. September). Die Dornbacher siegten am Ende nach Verlängerung 4:3.

Das Finale am 22. September am GSV-Platz ging dann mit 5:2 an die Wiener Gäste, die sich so zum einzigen Mal zum Messepokal-Sieger küren. Die Tore für den GAK schossen Fritz Köhler und Albert Gaischeg.

1908: Wieder Sieger aus Wien

Wie schon im Vorjahr sind wieder Vereine aus Wien bzw. Niederösterreich vertreten. Germania Schwechat – 1907 aus dem ASK Schwechat und dem SK Graphia Wien entstanden – schlägt schon am 31. Mai den Wiener Sportclub mit 6:0 und tritt damit im Finalspiel in Graz an. Es gibt auch Quellen, die ein zweites Wiener Vorrundenspiel zwischen der Vienna und dem WAC angeben, das aber – sofern es jemals geplant war – nicht stattgefunden haben dürfte.

Am 6. September beginnt mit der Hauptrunde/den Semifinali das lokale Turnier in Graz. Der GAK schlägt die GSV klar mit 11:2; eine Woche später überrennt die zweite Mannschaft der Rotjacken Vorwärts Graz 10:3, nachdem Vorwärts zwar die 1:0-Führung gelang, aber schon bis zur Pause fünf Gegentreffer hinnehmen musste. Im Grazer Finale sind damit beide Mannschaften der Athletiker, das die erste Mannschaft auf der eigenen Heimstätte klar 6:1 gewinnt.

Im Turnierfinale stehen sich dann am 27. September Germania Schwechat und der GAK I in der Fröhlichgasse gegenüber. Die Wiener siegen mit 2:0 und tragen sich damit erstmals in die Siegerliste ein.

1909: Abermals Germania

Der „Germania“ gelingt am 3. Oktober 1909 die Wiederholung ihres Vorjahrserfolgs; diesmal ist aber nicht der GAK, sondern die GSV der Finalgegner bei strömendem Regen und entsprechenden Platzverhältnissen in der Körösistraße. Die Grazer werden von den Niederösterreichern 2:1 geschlagen. Auch diesmal waren insgesamt nur 3 Teams zum Wettbewerb angetreten.

Im Semifinale unterliegt der GAK in einem turbulenten Spiel der GSV mit 2:3. Der GAK vergab einen Elfmeter, es gab zwei Ausschlüsse gegen die GSV. Letztlich wurde das Spiel knapp vor Schluss abgebrochen, als der GAK das vermeintliche 3:3 erzielt. Die GSV legt Protest ein, dem letztlich vom Verband stattgegeben wird.

1910: Ohne Wiener Mannschaften

Abermals nur mit drei Teams und ohne Wiener Klubs wird das fünfte Turnier um den Messepokal ausgespielt. Im Semifinale schlägt der GAK am 25. September die zweite Mannschaft der Grazer Sportvereinigung klar mit 12:0, scheitert aber im Finale am 9. Oktober gegen die erste Mannschaft des damaligen ersten Lokalrivalen auf dessen Sportplatz mit 1:2, obwohl der GAK in diesem Jahr eine erfolgreiche Saison absolviert und auch Wiener Vereine geschlagen hat. Damit gibt es wieder einen neuen Siegernamen im Wettbewerb!

1911: Wieder große Beteiligung

Das Jahr 1911 bringt mit sieben Nennungen einen deutlichen Aufschwung gegenüber den Vorjahren. Das hängt sicherlich auch mit der Gründung des Deutsch-Alpenländischen Fußballverbandes (dem späteren Steirischen Fußballverband) am 2. Juli in Graz zusammen. Der Herbstmessepokal ist fortan die wichtigste Veranstaltung des neuen Verbandes.

Neben den „Dauerbrennern“ GAK und GSV, ist auch erstmals der SK Sturm dabei, dazu der Knittelfelder SV, die Schwarze Elf Judenburg (später zurückgezogen) sowie der Deutsche Athletik-Club (DAC) „Eiche“ Cilli (heute: Celje) sowie der Marburger SV (heute: Maribor). Auch diesmal gibt es keine Teilnahme aus Wien oder Niederösterreich, was sicherlich auch mit der Aufnahme des offiziellen Ligabetriebs dort zusammenhängen mag, der in der Steiermark ab 1912 nur für zweitklassige Vereine startet, weil es schlichtweg nur einen erstklassigen Verein, nämlich den GAK, gibt.

Die Vorrunde ist sehr torreich (Cilli – Marburg 10:0, GSV – Sturm 8:0, GAK und Knittelfeld jeweils mit einem Freilos). Am 1. Oktober scheitert im Halbfinale Knittelfeld gegen Cilli 1:3 und der GAK kann sich, obwohl die Mannschaft noch nie in dieser Zusammensetzung gespielt hat, mit 3:2 knapp gegen die GSV durchsetzen. Das Grazer Volksblatt beschreibt das Spiel der Lokalrivalen als eines der schönsten und aufregendsten der letzten Jahre: ein Schlagabtausch mit offenem Visier! Gleichzeitig ist es wohl auch das Ende einer Ära, der wichtigsten lokale Kontrahent der Athletiker wird in Hinkunft der SK Sturm sein. Die Tore für den GAK schießen Franz Ircher, Robert Plank und Albert (Gaischeg?).

Das Finale am 10. Oktober ist dann wieder eine klare Sache die Rotjacken, der DAC aus Cilli wird mit 5:0 deutlich besiegt. Es ist der zweite Titelgewinn für die Rotjacken nach dem Premierenjahr 1906. Die Namen der Torschützen lauten Rossmanith, Schwarz III, Jocher und Plänkler.

1912: Absage!

Obwohl sich erstmals mit dem Klagenfurter AC (eigentlich: 1. Fußball- und Athletik-Sportclub Klagenfurt) ein Kärntner Verein ankündigt, findet der Messepokal in diesem Jahr nicht statt. Als Gründe stehen finanzielle Probleme und/oder mangelndes Interesse im Raum

1913: Das Triple für den GAK

Im Folgejahr gibt es mit sechs Mannschaften – davon mit dem Wr. Neustädter FC nach drei Jahren Pause einen Verein aus Niederösterreich – wieder ein größeres Teilnehmerfeld und ein ausgedehntes Turnierprogramm. Im einzigen Vorrundenspiel schlägt der GAK die erstmals angetretene Mannschaft von Rapid Graz 5:1.

In der Hauptrunde kommt es zu folgenden Begegnungen und Ergebnissen:

Klagenfurter AC – DAC „Eiche“ Cilli 2:0

Wr. Neustädter FC – Knittelfelder SV 2:1

GAK – Sturm 3:0

Das Spiel zwischen dem GAK und Sturm am 8. September 1913 ist damit eigentlich das erste offizielle Aufeinandertreffen beider Mannschaften im Rahmen eines Wettbewerbs, aber in die „offizielle“ Derby-Statistik bis dato (noch?) nicht eingegangen. Die Tore für die Rotjacken schossen (Hans?) Werbegg, Max Hruby und Julius Stanger.

Wiener Neustadt war mit dem Sieg gegen Knittelfeld schon für das Finale qualifiziert.

Im Semifinale am 28. September treffen dann der GAK und die Klagenfurter aufeinander. Das Grazer Tagblatt berichtet am Tag danach, dass erstmals seit Jahren das Brüderpaar. Julius und Rudolf Stanger wieder am Feld zusammengespielt hat. In einem ausgeglichenen Spiel fiel erst drei Minuten vor Schluss das erlösende Tor zum 3:1 für die Grazer durch Julius Stanger.

Im Finale am 5. Oktober 1913 in der Körösistraße schlagen dann die Athletiker die Mannschaft aus Wr. Neustadt klar mit 14:1 (6:1)! Die Presse spricht von einem „überlegenen Sieg“ und davon, dass die Niederösterreicher „nicht im entferntesten dem Gegner gewachsen“ waren. Topscorer an diesem

Tag war Vereinsgründer Julius Stanger mit 6 Toren, gefolgt von (Hans?) Werbegg (5 Tore), Rudolf Stanger, Max Hruby und Franz Ircher steuern jeweils ein Tor bei. Mit dem dritten Sieg ging auch der ausgelobte Wanderpokal endgültig in den Besitz des GAK über. Leider ist die Trophäe verschollen ...

In diesem Jahr sollte auch erstmals ein Spiel um den 4. Platz (!) zwischen Sturm Graz und DAC Cilli ausgetragen werden (Klagenfurt als Semifinal-Verlierer war Dritter). Über das Ergebnis dieses Spiels ist aber nichts bekannt.

1914: Abbruch und Zeitenwende

Im Jahr darauf sollten in der Vorrunde der Knittelfelder SV und Sturm Graz aufeinandertreffen. Der Sieger dieser Partie hätte den DAC „Eiche“ Cilli als Gegner in der Hauptrunde gehabt. Doch dazu kommt es nicht mehr. Die Ereignisse von Sarajewo verhindern die neuerliche Austragung des Turniers und führen damit zu dessen Ende in der ursprünglichen Form. Ab 28. Juli 1914 tobt bereits der 1. Weltkrieg und knapp 4 ½ Jahre später ist die Welt eine andere.

Vergessen werden darf in diesem Zusammenhang nicht, dass in dieser Zeit das Stadtgebiet von Graz noch ohne Randbezirke existierte (das waren damals eigenständige Gemeinden, wie St. Peter, Liebenau oder Eggenberg), das Wahlrecht nach Zensus erfolgte – somit gab es (so gut wie) keine politische Mitbestimmung des Großteils der Bevölkerung – und die, im Vergleich zu heute, ausgedehnten Arbeitszeiten ließen nur wenig „Freizeit“ zu.

Einiges davon ändert sich mit der Ausrufung der Republik im November 1918 (zunächst v. a. in Hinblick auf das Wahlrecht) und Sport bleibt danach auch nicht mehr nur einem „elitären“ Kreis vorbehalten, sondern erreicht breitere Bevölkerungsschichten und die Anzahl der Vereine (nicht nur im Fußball) steigt.

Comeback in der Zwischenkriegszeit

Nachdem 1920/21 die erste steirische Meisterschaft ausgespielt wird, bleibt die Bedeutung der Veranstaltung, die 1924 und 1925 nochmals ausgetragen wird, natürlicherweise hinter jener vor dem ersten Weltkrieg zurück. Darüber hinaus gibt es mittlerweile eine Menge an Turnierveranstaltungen abseits der Meisterschaft.

Am 6. und 7. September 1924 werden am Sturm- und GAK-Platz die Turnierspiele (im Meisterschaftsmodus) ausgetragen. Der GAK erreicht gegen den Kapfenberger SV ein 1:1-Unentschieden, verliert aber gegen die Hakoah Graz 1:2 und wird somit Dritter. Sturm Graz gewinnt das Turnier.

Im Folgejahr wird das Turnier wieder an zwei Tagen, aber im Cupmodus ausgetragen (die Firma Humanic spendet den Pokal). Die beiden Grazer Großklubs Sturm (3:1 gegen den Arbeiter-Athletik-Club) und GAK (5:0 gegen Admira Graz) treffen am 30. August am Sturmplatz im Finale aufeinander. Das Spiel endet vor 2.500 Zuschauern mit 2:1 für die Roten (beide Tore: Wesiak).

Es werden noch weitere Fußballturniere im Zusammenhang mit der Grazer Messe ausgetragen (u. a. Messerundspiel 1924, Messeturnier 1927, Messepokal 1935), aber auch regelmäßig ein Tennisturnier oder Leichtathletik-Veranstaltungen (beides zumeist vom GAK veranstaltet), Schießwettbewerbe oder (z. T. auch schon vor dem 1. Weltkrieg) Meetings am angrenzenden Trabrennplatz.

Die Herbstmesse gibt es, in abgespeckter Form freilich, heute immer noch und seit 1981 auch wieder einen Messepokal – allerdings im Fechten!

Siegerliste 1906 – 1913:

  • GAK (1906, 1911, 1913)
  • Wr. Sportclub (1907)
  • Germania Schwechat (1908, 1909)
  • Grazer Sportvereinigung (1910)

Wolfgang Gruber, Michael Rath

Anriss- und Titelfoto: Industriehalle © Sammlung Kubinzky – Fotos Medaille 1906: © Sammlung Matthias Dielacher/GAK 1902

Quellen:

www.austriasoccer.at

http://anno.onb.ac.at/

Fotos

DER GRAZER STADTKLUB - gegründet 18.08.1902