Eine Bundesliga-Saison spielte der GAK im Eishockey. Der Rückblick auf eine turbulente Spielzeit mit den einzigen Grazer Oberhaus-Derbys in der schnellsten Mannschaftssportart.
Bereits zwischen 1925 und 1935 gab es Eishockey beim GAK, der Verein spielte zunächst in der steirischen Liga und dann in der österreichischen Provinzmeisterschaft. 1953 wurde die Sektion wieder reaktiviert (in dem einige Spieler vom ATUS Eggenberg/ATSE mit Gottfried Hauser, dem späteren Sektionsleiter, zu den Athletikern wechselten). 1962 erfolgt der Aufstieg aus der Landesliga in die dritte Liga. Nachdem 1967 der Sprung in die 2. Liga geschafft ist, war das mittelfristige Ziel in das Oberhaus zu gelangen. Die Mannschaft wurde am Ende der Saison 1969/70 mit 6 Siegen und 3 Punkten Vorsprung vor WAT Stadlau Oberliga-Meister und durfte somit in die Bundesliga aufsteigen. Entscheidendes Spiel war ein 7:3-Sieg gegen den schärfsten Konkurrenten Bad Gastein in der Liebenauer Eishalle.
Für die neue Saison wurden fünf neue Spieler, darunter mit John DeDiana und Ray Lamont zwei Kanadier, engagiert, dazu mit Hermann Knoll einen ehemaligen Internationalen als Spielertrainer. Außerdem gab es mit Peterquelle erstmals einen Hauptsponsor. Graz besaß jener Zeit allerdings mit dem ATSE schon seit einigen Jahren einen Oberhausklub, was zum ersten – und bis heute einzigen – Mal zu Lokalderbys in der Eishockey-Bundesliga-Geschichte führte. Allerdings verlief die gesamte Saison nicht so, wie es sich die Athletiker vorgestellt hatten ...
Das Jahr 1970 geht insofern in die Annalen des Klubs ein, als der Verein mit insgesamt sechs Mannschaften in der jeweils höchsten österreichischen Liga vertreten ist. Neben den Fußballern, den Wasserballern und den Tennis-Herren stoßen noch die Basketballer, die Tennis-Damen und eben das Eishockey-Team dazu.
Die Eishockey-Bundesliga besteht in diesen Jahren in der Regel aus acht Mannschaften und wird in zwei Durchgängen (also 28 Spielen) ausgetragen. Die Teams der Saison 1970/71 sind der spätere Meister KAC, die VEU Feldkirch, der Innsbrucker EV (IEV), EC Kitzbühel, EK Zell am See, der Wiener Eislauf-Verein (WEV) sowie die beiden Grazer Vertreter ATSE und der Aufsteiger GAK.
Neben den beiden Kanadiern und Spielertrainer Knoll wurde zudem noch Josef Kriechbaum aus Zell am See sowie mit Josef Hübner ein Torhüter verpflichtet. Während der Kanadier Ray Lamont sich während der Meisterschaft als guter Stürmer erwies (Platz 10 in der Punkteliste mit 35 Scorerpunkten, davon 28 Tore), war John DeDiana Spitzenreiter in der Strafminutenstatistik. Der zweite GAK-Legionär musste sich erst auf die strengere Auslegung der österreichischen Schiedsrichter einstellen; spielerisch galt er hingegen als einer der besten Verteidiger in der Liga mit zahlreichen Scorerpunkten.
Der Kader:
Josef Hübner, Martin Mähring, Manfred Suppan; John DeDiana, Walter Habernig, Walter Jus, Gert Kaspar, Hermann Knoll (Spielertrainer), Josef Kriechbaum, Ray Lamont, Jörg Pildner-Steinburg, Jochen Pildner-Steinburg (Kapitän), Klaus Rieger, Othmar Russ, Willi Schwarzl, Walter Vollauschek, Erwin Petz, Hermann Schwab, Wolfgang Panhuber, Peter Wetzer, Michael Mauerhofer (Stern)
Nach dem intensiven Athletik- und Ausdauertraining mit „Sportlehrer“ Steinberger beginnt im August das Eistraining in der Liebenauer Eishalle. Zum Trainingsauftakt fehlt vom 21-Mann-Kader nur Jochen Pildner-Steinburg (Knöchelverletzung). Den ersten Test gewinnt der Bundesligaklub gegen den Wiener Zweitligaverein WAT X mit 7:1. Das letzte Vorbereitungsmatch fand am 18. Oktober in Bozen statt, wo man dem HC Bolzano – dazu noch ersatzgeschwächt – ein 5:5 abtrotzen konnte (das dritte Drittel wurde sogar 3:0 gewonnen), davor hatte man schon gegen die Ligakonkurrenten aus Klagenfurt und Wien jeweils remisiert.
In der ersten Runde am 24. Oktober 1970 in Innsbruck war dennoch nichts zu holen, auch wenn der Neuling beim 2:5 „durchaus gefiel“. Das erste Bundesliga-Tor für den GAK erzielte Walter Jus im 2. Drittel. John DeDiana scorte noch im Schlussabschnitt, in dem es noch weitere hochkarätige Chancen für Lamont und Jochen Pildner-Steinburg gab. Bereits wenige Tage später gab es die Derby-Premiere gegen den ATSE. Das Match am 28. Oktober 1970 in der Eishalle Liebenau vor 3.000 Zuschauern endet nach einem hart geführten Spiel mit 3:0 für die Eggenberger, wobei man seitens der Presse vor allem GAK-Legionär John DeDiana „Kanada-Härte“ vorwarf, aber seine spielerischen Möglichkeiten lobte, ebenso wie die Leistung von Torhüter Hübner. Spielerisch war der ATSE dem Aufsteiger überlegen.
Nach einer weiteren Niederlage gegen die VEU Feldkirch gelingt in der 4. Runde schließlich der überraschende Premierensieg auswärts beim WEV in der Donauparkhalle. Jochen Pildner-Steinburg (3 Treffer) und Ray Lamont (2) bringen die Rotjacken auf die Siegerstraße. Darauf folgt ein knappes 4:5 gegen Kitzbühel, obwohl der GAK 50 Minuten klar überlegen ist. Gegen Zell/See gelingt mit einem 3:3 noch der erste Punkt zu Hause, ehe mit dem Spiel gegen den KAC eine Niederlagenserie beginnt.
Das zweite Derby am 25. November vor 4.500 Zuschauern in Graz-Liebenau wird in den Zeitungen als „Schlacht“ bezeichnet. Ein nicht überzeugender ATSE gewinnt das Match nur denkbar knapp mit 4:3 (GAK-Tore: Knoll, Lamont, J. Pildner-Steinburg). Der Zorn der GAK-Anhänger und -Funktionäre richtet sich vor allem gegen das Salzburger Schiedsrichter-Duo und ihre Regelauslegung. Alles entzündet sich an einem Foul von ATSE-Verteidiger Auracher an GAK-Kapitän Jochen Pildner-Steinburg. Die Folge waren viele Zeitstrafen gegen die roten Cracks (insgesamt 32 Minuten plus Matchstrafe und darauffolgende Sperre für DeDiana). Beim Gegner waren es auch 15 Strafminuten. Bis Weihnachten kommt schließlich mit einer dezimierten Verteidigung nichts mehr Zählbares zusammen.
Mit mageren drei Punkten geht es also ins neue Jahr und das dritte Derby am 2. Jänner 1971 geht mit 5:0 auch ganz klar an den Favoriten. Ein typisches GAK-Spiel jener Saison ist das 3:4 gegen den EC Kitzbühel, bei dem die Rotjacken im ersten Drittel, schon 3:0 führend, den vierten Treffer hätten machen müssen, aber stattdessen das erste Gegentor kassieren und schließlich die Partie ganz aus der Hand geben. Ernüchternd auch der Publikumszuspruch: knapp 300 Zuschauer verirren sich im Liebenauer Bunker.
In der 20. Runde folgt dann mit einem 7:5 gegen den Tabellennachbarn aus Zell am See schlussendlich doch noch ein Lebenszeichen mit dem ersten Heimsieg, wobei das 1. und 3. Drittel jeweils gewonnen wurde (im 2. Abschnitt gab es ein 2:2-Unentschieden). Die Tore der Athletiker erzielten J. Pildner-Steinburg, Lamont, Wetzer (je 2) und Russ. Der Rückstand auf die Salzburger in der Tabelle beträgt sechs Punkte. Die Vorentscheidung um den achten Titel für den KAC en suite (10:2 gegen Innsbruck) fällt ebenfalls in dieser Runde.
Aber innerhalb von zwei Tagen konnte der GAK sein Punktekonto um noch weitere zwei Zähler erhöhen: der IEV wurde mit einer kämpferischen Leistung 4:2 bezwungen, nachdem man im 1. Drittel noch 1:2 im Rückstand war. Peter Wetzer gleicht nach der 1. Pause aus und Walter Jus (nach DeDiana-Zuspiel) erhöht noch von der zweiten Pausensirene auf 3:2. In der 41. Minute stellt schließlich Ray Lamont den Endstand her. Eine kleine Sensation. Danach folgt unter anderem wieder eine Pleite gegen den WEV.
In der 25. Runde am 3. Februar 1971 geht das abschließende Derby aus Sicht der veranstaltenden Rotjacken wieder nur knapp verloren (1:2 – GAK-Tor: DeDiana), wenngleich der Gegner überlegen war. Das Spiel ist wieder mehrfach unterbrochen (stand sogar kurz vor dem Abbruch), diesmal wegen der ATSE-Fans auf der Tribüne. Und wieder einmal wird dem Newcomer attestiert, ein „ernsthafter Gegner“ gewesen zu sein. Der Verein, mit Sektionsobmann Gottfried Hauser an der Spitze, fühlte sich überdies vom Verband schlecht behandelt, was sogar in der Lokalpresse thematisiert wird. Othmar Beer fragt sich beispielsweise in der „Neuen Zeit“, „warum man in gewissen Kreisen gegen den Neuling GAK eingestellt ist“.
Der Rückstand auf die siebtplatzierte Mannschaft aus Zell am See (sogar zu diesem Zeitpunkt mit einem Spiel mehr) beträgt immer noch 4 Punkte. Im nächsten Aufeinandertreffen mit dem KAC schießen die GAK-Cracks sogar 7 Tore und sind bis 1 Minute vor der ersten Drittelpause 3:0 in Front, ehe sie in 63 (!) Sekunden 4 Tore erhalten. Das Spiel geht schließlich 12:7 für die Kärntner aus, damit ist der Abstieg endgültig besiegelt. Das letzte Spiel gegen die VEU Feldkirch wird überwiegend mit einer Nachwuchsmannschaft bestritten.
Nach 28 Runden hat der GAK 24 Spiele verloren (und nur 3 gewonnen), 203 Tore bekommen (92 geschossen) und 5 Punkte Rückstand auf den Vorletzten Zell am See (mit einem schlechteren Torverhältnis). Der ATSE wird Vizemeister und gewinnt in der Folge die bisherigen einzigen Eishockeytitel für die Steiermark (1975, 1977). Die Spieler Josef Kriechbaum und Othmar Russ schaffen später den Sprung ins österreichische Nationalteam.
Nachdem der GAK in der Oberliga-Saison 1971/72 das sportliche Ziel des sofortigen Wiederaufstiegs deutlich verfehlte, gab es in der darauffolgenden Spielzeit das böse Erwachen: die Mannschaft muss vom Verein aus finanziellen Gründen aus dem laufenden Wettbewerb genommen werden … 1976 endet dann die Geschichte des schnellsten Mannschaftssports bei den Athletikern endgültig.
Wolfgang Gruber
Fotos: © Fischer/Sammlung GAK 1902
Titelfoto: Eishockey-Derby-Time im Liebenauer Bunker am 2. Jänner 1971 © Fischer/Sammlung GAK 1902
Anrissfoto: Der Torhüter des GAK, Martin Mähring, beim Bundesliga-Derby gegen den ATSE Graz am 3. Februar 1971 in voller Aktion © Fischer/Sammlung GAK 1902