Er war bei jedem Meistertitel seit der Neugründung dabei, saß bei unserem Höhenflug stets ganz vorne im Cockpit. Gerald Säumel beendet seine Karriere. Wir verneigen uns vor ihm - tiefer als vor jedem anderen, der schon einmal unser Dress getragen hat. 

Diese Geschichte, nein, diese Hommage, muss mehrere Kapitel haben. Weil es schlichtweg nicht möglich ist, das, was Gerald Säumel für unseren GAK geleistet hat, ganz simpel mit ein paar Zeilen zu würdigen. Jedes dieser Kapitel zeigt, was für ein Mensch unser "ewiger Kapitän" ist.

 

Kapitel 1: Es war ihnen eine Ehre

Was ist eine Ehre? Wohl etwas sehr Individuelles. Der eine fühlt sich von dem geehrt, was der andere vielleicht gerade einmal als Selbstverständlichkeit ansieht. Aber auf jeden Fall gilt: Wenn wir uns geehrt fühlen, geht es uns gut. Sehr gut sogar. Ali Ivanescu und Lukas Graf haben mir schon vor längerem und unabhängig voneinander gesagt, dass es für sie eine Ehre wäre, mit dem Spieler - und wohl auch dem Menschen - Gerald Säumel in der gleichen Mannschaft spielen zu dürfen. Viele frühere und aktuelle GAK-Spieler habe ich in den letzten Jahren mit diesem Satz konfrontiert - kein einziger hat auch nur ansatzweise widersprochen. 

Nicht jeder Spieler, der unseren GAK in den Jahren seit der Neugründung verlassen hat, tat dies freiwillig. Aber man kann fragen, wen man will - ein böses Wort über Gerald Säumel wird man nicht finden. Und es wird wohl auch für viele Gegenspieler anderer Mannschaften eine Ehre gewesen sein, gegen unseren "Gerry" gespielt zu haben. Denn Fairness ist so etwas wie sein zweiter Vorname. Er war nie gesperrt, seit er das erste Mal den Dress unserer Rotjacken überstreifte, bekam gerade einmal elf gelbe Karten in den letzten fünfeinhalb Saisonen. Versteckte oder böse Fouls? Nein, Fehlanzeige. Und das, obwohl er, wie Ivanescu, der ihn mittlerweile seit 8 Jahren kennt und nach der Neugründung Sitznachbar in der Kabine war, "jedes Spiel unbedingt gewinnen wollte und will. Damit hat er einen irrsinnig großen Beitrag zum Durchmarsch des GAK 1902 geleistet." 

 

Kapitel 2: Bescheidenheit ist seine Zier        

Es gab und gibt die Glänzer, die Kicker, die alles überstrahlen. Jene, die zwangsläufig in unseren Fokus geraten - weil sie Tore wie am Fließband schießen, oder selbige Spiel für Spiel verhindern. Es gibt die Trickser, die unser Herz erfreuen, die großen Techniker, die uns ins Schwärmen geraten lassen. Weltfußballer - egal, ob in der großen Fußballwelt oder in unserer eigenen, viel kleineren GAK-Welt. 

Was haben wir gejubelt mit und über Ali Ivanescu, Laurenz Sacher, Richard Wemmer oder Marco Heil, um nur einige zu nennen. Wir haben Patrick Haider, Lukas Graf oder Alex Rother gefeiert - und tun es noch immer. Gerald Säumel zählte nie zu jenen, die so gefeiert wurden. Er schoss nur wenige Tore für den GAK (sechs - darunter allerdings auch den "legendären" Siegestreffer beim 3:2 gegen Murfeld in der Gebietsliga) und die Zahl der "Gurkerl", die er verteilte, würde auch nicht viele Extrawurstsemmeln veredeln. 

Und dennoch glänzte Gerald Säumel. Und wie! Ein Glanz, den man nicht auf den ersten Blick sieht, einen, der wohl nur für jene gleich erkennbar ist, die tagein, tagaus, die Fußballexpertenbrille tragen. Lukas Graf meinte einmal: "Wenn der Gerry den Ball hat, dann bin ich sofort beruhigt. Dann weiß ich, dass das, was dann passieren wird, gut wird. Der Gerry weiß immer, was zu tun ist. Er weiß, wann er das Spiel beruhigen muss, er weiß, wann es schneller werden muss." Das ist halt nicht spektakulär - damit reißt man nicht von den Sitzschalen.

Gerald Säumel spielt Fußball, wie eine seiner herausragenden Charaktereigenschaften. Er ist ein bescheidener Mensch, einer, der immer das Team und nie sich im Mittelpunkt sah. Illustration gefällig? Liezen, erstes Spiel in der Landesliga. Gerald wird in der 53. Minute ausgewechselt. Knapp davor fiel das 1:0 für Liezen, der GAK gewinnt am Ende mit 2:1. Ein Sieg, der hart umkämpft war, Schönheitspreis hatte es damals keinen gegeben. Auch nicht für den Gerald. Er weiß, dass er nicht seinen besten Tag hatte, als er nach dem Schlusspfiff mit dem Team zum Jubeln in die Kurve kommt. Ich sage ihm, dass er im Mittelpunkt meines Matchberichtes stehen wird. Er hätte auch mit "Das freut mich!" antworten können. Hat er aber nicht. "Ich, wieso ich? Ich habe doch heute nicht gut gespielt! Andere würden sich das viel mehr verdienen!" 

Typisch Gerald! In Gesprächen mit ihm kamen von ihm stets Sätze wie "Es gibt so viele bessere Fußballer als mich - alleine schon bei uns!". Und selbst wenn man ihn auf seine von allen Mitspielern so enorm geschätzte Tätigkeit als Kapitän ansprach, gab es vielleicht ein "Danke!" - aber dann schon wieder ein "Aber so viel, wie du sagst, mach ich auch wieder nicht!" Doch!

 

Kapitel 3: So denkbar dankbar

Die Schrifstellerin Marie von Ebner-Eschenbach sagte einst: "Wir sind für nichts so dankbar wie für Dankbarkeit!". Ja, das sind wir wohl. Und deshalb ist es schwierig, seine Dankbarkeit für Gerald Säumel so, wie er sie verdient, in Worte zu fassen. Ist doch seine Zeit bei uns geprägt von seiner Dankbarkeit. Im Interview im Jänner des Vorjahres sagte mir Gerald: "Dass ich ziemlich genau heute vor vier Jahren, im Jänner 2014, von Kalsdorf aus der Regionalliga in die 1. Klasse Mitte zum GAK gewechselt bin, war die beste Entscheidung in all meinen Fußballerjahren. Ich habe hier so viele schöne Dinge erlebt, das war definitiv der beste Transfer meines Lebens! Ich bin dankbar in diesem Umfeld, bei diesem Verein, sein zu dürfen.“

Oder die Dankbarkeit, die er für seine Eltern empfindet. Zusammen mit dem zwei Jahre älteren Bruder Jürgen (Ex- Profi bei Sturm, Torino, Brescia, Duisburg, Wiener Neustadt und Innsbruck, nun Co-Trainer in Hartberg) war er im Internat in Graz, in der Akademie des Stadtrivalen. "Ich war 15 Jahre alt, als ich von Neumarkt im Bezirk Murau nach Graz kam. Es war natürlich sehr hilfreich, dass der Jürgen schon da war, eine Klasse über mir die Schule besucht hat. Wir waren da zwar räumlich von unseren Eltern getrennt, die waren aber immer für uns da, haben kein Spiel ausgelassen. Und als das Heim in den Sommerferien zu war, haben sie uns täglich von Neumarkt nach Graz und zurück gebracht. Wir müssen ihnen für ihren Einsatz wirklich sehr dankbar sein! Sie waren und sind keine Großverdiener, sie haben einfach alles dem Ziel, ihre Söhne glücklich zu machen, untergeordnet!“, so Gerald im selben Interview.

Diese Dankbarkeit, die Gerald empfindet, die hat er nie einfach nur in sich aufgesogen - er hat sie gelebt, indem er diesem Verein, diesen Fans all die "Dankeschöns" in Form von Einsatz in jedwelcher Hinsicht zurückgegeben hat.

 

Kapitel 4: Respekt ist sein zweiter Vorname

"Ich bin der Meinung, dass man mit Verständnis, mit Respekt, mit Anerkennung vielleicht nicht immer im Profifußball, aber grundsätzlich im Leben, viel mehr erreichen kann. Und das versuche ich eben Tag für Tag zu zeigen, vorzuleben.“ Ein Zitat aus dem schon öfters erwähnten Interview - und rund um die Uhr gelebte Realität bei Gerald. Respekt - der spielt eine riesige Rolle in seinem Leben. Als Sportler sowieso, da ist der Respekt für jeden Gegenspieler, und auch jener gegenüber Mitspielern, vor allem jenen gegenüber, die - aus Geralds Sicht - besser spiel(t)en als er es kann. Neid empfindet er da nicht, das tat er nie. Er kann respektieren, dass andere besser sind. Das kann nicht jeder.

Aber vor allem trägt er diesen ganz speziellen Respekt für Mitmenschen in sich. Speziell ist dieser deswegen, weil er so unglaublich glaubhaft ist. So echt. Ich muss es an einem Beispiel, einem ganz persönlichen, erklären. Hanna Krenn, die Freundin von Lukas Graf studiert Jus. Gerald Säumel, der Magister Juris Gerald Säumel, begrüßt sie oft mit "Frau Kollegin" - aber eben nicht auf diese leicht herablassende Art, die eigentlich nur zeigen soll, dass sie ja noch keine Kollegin ist. "Wenn er das sagt und wie er das sagt, da spürt man einfach, dass er das voller Respekt sagt", erzählt Hanna. Und: "Ich freuié mich jedes Mal so sehr, wenn er das sagt. Er ist wirklich ein Mensch, den man einfach mögen muss!" Meine Tochter Hanna mag dich fast so sehr, wie ich Gerry ...

Und dieser Respekt äußerte sich auch in Geralds Tätigkeit als Kapitän. "Er hatte immer ein offenes Ohr für jeden von uns, und er war und ist eben auch in jeder Hinsicht ein echtes Vorbild", so Ivanescu. Auch Philipp Fürstaller, der so wie Gerald im Winter der Saison 2013/14 zum GAK kam, findet genau die gleichen Worte - und ergänzt: "Er ist der perfekte Kapitän, ein ,Capitano', wie er im Buche steht!" Und - siehe ganz oben - kommt auch hier der Satz: "Es war eine echte Ehre, mit ihm spielen zu dürfen!"

Und was sagt Marco Heil dazu: "Dem kann ich nur zustimmen. Es war wirklich so, dass der Gerry für uns alle ständig da war. Egal, ob du vielleicht mal was mit dem Trainer oder dem Vorstand zu klären hattest - der Gerry hat dich immer unterstützt. Egal, um was es ging!"

Der Autor von "Robinson Crusoe", Daniel Defoe, sagte einst: "Freundschaft fließt aus vielen Quellen, am reinsten aus dem Respekt!" Die Freundschaft unter unseren Spielern, gerade unter jenen der aktuellen Mannschaft, ist riesig. Sie ist auch deswegen so erblüht, weil sie aus der Respektquelle Gerald Säumel bewässert wurde.

 

Kapitel 5: Er soll leben!

Die AS Roma hat Francesco Totti, der FC Liverpool Steven Gerrard. Ja, ganz bewußt sei es hier gesagt: Und wir haben unseren Gerald Säumel.  Er wird - zumindest für alle, die die Ehre hatten, mit ihm zu spielen -, für immer "El Capitano" sein. Er wird das auch für all jene, die eng mit diesem Verein verbunden sind, bleiben. Katja Ebstein singt in einem der schönsten deutschen Schlager: "Abschied ist ein bisschen wie sterben, ist wie alles verlieren, iweil es dich nicht mehr gibt!" Nein, wir wollen an dieser Stelle nicht dem deutschen Schlager huldigen. Und nicht davon reden, dass dies ein Abschied für immer ist. 

Denn statt zum Schlager greifen wir zur Rockmusik - zur italienischen nämlich. Gerald Säumel und den Autor dieser Zeilen verbindet vieles - etwa auch die Zuneigung zum in Italien seit Jahrzehnten höchst erfolgreichen Vasco Rossi. Und wir wollen auch nicht vom Abschied und vom Sterben reden - nein, denn der Gerald wird für immer in unserem Herzen sein. Er wird dort leben.

"Vivere" heißt dieser großartige Song, lieber Gerry. Du kennst ihn sicher auch. Er handelt vom Leben. Und vom Lachen. Er beginnt langsam, zurückhaltend - und beginnt dann so richtig kraftvoll zu werden. Er ist eine Hymne aufs Leben, aufs Kämpfen. "E pensare che domani sar sempre megli" heißt es da - "und denken, dass morgen immer besser sein wird". Das Morgen des GAK ist ein Morgen ohne den Spieler Gerald Säumel, aber immer mit dem Menschen Gerald Säumel. Dich tragen wir ja im Herzen.

Dieses Morgen wird bei manchen mit Tränen beginnen. Erst werden es jene aus Trauer sein, dann werden es jene aus Freude sein. Denn wir hatten und haben das großartige Privileg, dass du Teil der GAK-Familie warst, bist und bleibst. Lieber Gerald! Danke für Deinen unglaublichen Einsatz für unsere Farben, für den Verein, den wir so lieben. Danke, dass wir ein solches Vorbild in unseren Reihen haben durften - und haben dürfen. 

Es gibt so viele (Live-)Versionen von "Vivere" - die in San Siro (jetzt Giuseppe-Meazza-Stadion) passt wohl am besten für Dich. Hör' sie Dir an - aber davor wirst Du noch einen Ruf hören. Einen, der hier immer am Ende steht. Aber diesmal in etwas anderer Form. Einer, die vielleicht mehr als all die vielen Wörter oberhalb sagt, was und wer du bist! Und was wir alle für Dich empfinden - und immer werden. Gerald:

YOU ARE GAK!

Danke, "Santi"! (Dieter im Namen des gesamten GAK-Teams)