In unserem Bemühen, die Geschichte des GAK fundiert aufzuarbeiten stößt unser „Historikerteam“ immer wieder auf eine sehr lückenhafte Quellenlage. Besonders in der Zeit der NS-Herrschaft haben vielfach Mythenbildungen diese Lücken „gefüllt“. Der GAK wurde nach dem Ende des II. Weltkrieges rückblickend von einigen Autoren politisch als eindeutig im Lager der NSDAP stehend verortet. Wir wollen solche Darstellungen die sich sowohl auf die Zeit vor und während, als auch auf jene nach der NS-Herrschaft beziehen und nach wie vor in der Einordnung des Klubs in den Köpfen vieler Fußballfans präsent sind auf ihren Wahrheitsgehalt prüfen und uns dabei der Stellung des Vereins und seiner Mitglieder in gesellschaftlicher und politischer Hinsicht bewusst werden: Wo sich der Verein oder seine Repräsentanten „schuldig gemacht“ haben wollen wir dies ebenso wenig verschweigen wie in Fällen, wo dem GAK zu Unrecht Fehlverhalten oder Stereotypen zugeschrieben wurden.

Es geht uns weder darum, den GAK „reinwaschen zu wollen“, noch darum, sein Ansehen durch aufgezeigtes Fehlverhalten zu beschädigen. Die Bewertung des Nationalsozialismus als verachtenswerte Diktatur ist durch die Gräuel des Vernichtungskrieges und des Holocaust unbestritten.

Gerade aber in Bezug auf den Alltag der Bevölkerung – und dazu zählte auch der Sport, egal ob als Aktiver oder Zuschauer – sollte man in der Betrachtungsweise Übergänge und Kontinuitäten nicht außer Acht lassen: Die Nazis haben nicht alle Lebensbereiche „neu erfunden“ und viele ideologischen Vorgaben des Regimes konnten in den vielen, hinter den Krieg als Nebenschauplätze zurücktretenden Bereichen des Lebens nur teilweise umgesetzt werden.

Gerade im Sport klaffen daher die theoretische Sicht der NS-Ideologen und die Vereinswirklichkeiten oft auseinander. Die Propaganda und Ideologie wurde in „wichtigeren“ Teilbereichen effizienter angewendet, der Sport und insbesondere der Fußball behielt in der Praxis in vielem eine gewisse Eigenständigkeit, wenn auch organisatorisch etwa durch die Einführung des Führerprinzips und die Auslagerung der Nachwuchsarbeit in die Hitlerjugend manche Veränderung umgesetzt werden musste. Politisch als Gegner identifizierte Funktionäre wurden ihrer Ämter enthoben und manchmal durch treue Parteigänger ersetzt. Viele für die Vereine Tätige waren aber keinem politischen Lager zuzuordnen (für sie stand nur die Arbeit für den Verein im Vordergrund) und behielten ihre Funktionen auch in der Zeit des Nationalsozialismus und darüber hinaus. Tatsächlich vermittelte der Sport auch in Kriegszeiten der Bevölkerung ein Gefühl von Normalität, weswegen auch von der Führung des Dritten Reiches vielfach nicht in das Eigenleben der Vereine „hineinregiert“ wurde.

Durch unsere Arbeit und jene von in Vereinshinsicht „neutralen“ Historikern wollen wir zur Beschäftigung mit dem Nationalsozialismus abseits von Stereotypen ermuntern um die Gräuel ebenso wie die Widerständigkeit oder das „Mitläufertum“ der damals handelnden Personen zum Zweck des Lernens aus der Geschichte ein Stück verständlicher zu machen.