Vor Altherrenverband über die „61er“ zum weihnachtlichen Legendenturnier. Traditionspflege beim GAK.
Das Grazer Volksblatt berichtet am 9. Juni 1911 von einem Wettspiel, „das Mittwoch auf dem Sportplatze des GAK die Altherrenmannschaft gegen die Jugendliche Zweite ins Treffen führte, war launig wie der Einfall, dem es entsprang. Es war ein Kampf, den – mit Verlaub zu sagen – das Alter mit der Jugend, die Vergangenheit mit der Zukunft unseres Fußballsportes bestritt.“ Das Spiel endete 4:1 für die „Old Boys“. Leider verschweigt der Berichterstatter die komplette Aufstellung dieses vermutlich ersten dokumentierten Altherrenspiels beim GAK. Mit Franz Köck, eigentlich ein bekannter roter Tennisspieler jener Zeit, ist zumindest ein in der Anfangszeit des Vereins aktiver Fußballer bei diesem Ereignis mit dabei.
Im März 1913 erfolgt dann der Aufruf zur Gründung einer offiziellen Altherrenmannschaft, zunächst organisiert von Herrmann Felsner, Spieler des Wr. Sportclubs, später erfolgreicher Trainer in Italien mit insgesamt vier Meisterschafts- und einem Pokaltitel (FC Bologna, AC Fiorentina, AC Mailand). Später waren unter anderem Franz Wesiak und Max „Schimmel“ Huber dafür verantwortlich. Bereits am 30. März bzw. 7. Juni dieses Jahres erfolgen die ersten beiden Spiele gegen die eigene 2. Mannschaft (4:1 bzw. 2:2). Hintergrund für diese Initiative ist, dass zehn Jahre nach der Vereinsgründung viele Aktive nicht mehr für die Kampfmannschaft spielen können oder wollen, trotzdem aber über das sportliche Vergnügen eine Bindung zum Verein bestehen bleiben soll. Die meisten Spieler blieben ihrem Verein lange, oft sogar ein Leben lang, treu. Vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs ist vor allem ein Spiel gegen eine Grazer Theatermannschaft („Bühnenkünstler“) von Bedeutung und zeigt bereits den Stellenwert des Fußballs und des GAK in gewissen Teilen der Gesellschaft. Weitere Spiele gegen eine Theaterauswahl gibt es 1919 und 1932.
Am 19. Mai 1914 stehen am Sportplatz Körösistraße unter anderem Albert Gaischeg, Franz Egger, Carl Markel, Fritz Schmiderer und der bereits erwähnte Franz Köck im Altherrenteam des GAK. Die Künstler werden von ihrem Direktor Julius Grevenberg angeführt, der die Städtischen Bühnen von 1911 bis 1921 leitete. Dem Illustrierten Sportblatt ist dieses Ereignis sogar der Abdruck eines Fotos wert. Das Spiel endet knapp mit 3:2 für die Fußballer, nachdem die Theatermannschaft zur Pause überraschend mit 2:1 in Führung liegt. Der Tag klingt zeitgenössischen Berichten zufolge bei einem geselligen Abend im Hotel „Steirerhof“ am Jakominiplatz aus.
Am 6. April 1919 findet das erste Altherrenspiel nach Kriegsende gegen den SV Gabelsberg statt, auch eine Begegnung gegen eine Mannschaft der Militärpolizei ist dokumentiert. Am 8. Oktober 1921 folgt ein besonderes Spiel: Ein Großteil der Mannschaft von 1913 tritt gegen die Alten Herren des SK Sturm an, ein Revival des ersten Bewerbsspielderbys im Rahmen des Grazer Herbstmessepokals von 1913. In der Zwischenkriegszeit verfügten neben dem GAK auch Sturm, die Amateure, der Arbeiter-Athletik-Club sowie Hakoah über Altherrenteams. Aus der Leichtathletik-Sektion der Athletiker entwickelte sich später eine Traditionsvereinigung.
1931 gewinnen die nun so genannten „GAK Senioren“ den Cup der Kreisklasse Graz und spielen 1931/32 in der 2. Klasse außer Konkurrenz. Parallel dazu existiert weiterhin ein klassisches Altherrenteam, das steiermarkweit zu besonderen Anlässen antritt. Bei Spielermangel kommen auch Jugend- oder Reservespieler zum Einsatz.
Am 30. Oktober 1962 feiert der GAK nicht nur seine Europapokalpremiere, sondern auch den 60. Vereinsgeburtstag. Eines der Vorspiele bestreitet die Traditionsmannschaft „GAK 1951/61“ gegen Gratkorn, das mit 6:1 gewonnen wird. Zum Team zählen unter anderem Franz Zrinsky, Gernot Fraydl, Paul Halla, Stefan Kölly oder Harald Ginhart. Fünf Tore erzielt Anton Maier, eines Hans Heber. Es ist der erste prominente Auftritt einer Traditionsmannschaft nach 1945.
Zehn Jahre später wird das 70-jährige Vereinsjubiläum mit einem Vorspiel von Alt-Internationalen und Prominenten eingeleitet. Vor dem Match GAK gegen Bayern München am 6. September 1972 stehen unter anderem Erich Frisch, Helmut Senekowitsch und Karl Schranz am Rasen des Liebenauer Bundesstadions.
Am 7. April 1977 entsteht im Grazer Keplerkeller die Idee, eine Mannschaft aus ehemaligen GAK-Spielern zusammenzustellen. Kurz darauf gewinnt diese Truppe ein Spiel in Arnfels mit 10:2. Da ausschließlich Spieler der Jahrgänge 1961 bis 1965 beteiligt sind, tritt man bald als „GAK’61“ auf. Damit ist eine steirische Institution des Traditionsfußballs geboren.
Prägende Figuren sind unter anderem Rudi Rabitsch als Obmann und Kurt Eigenstiller als sportlicher Leiter. Eigenstiller spielte ab 1951 fast zehn Jahre in der Staatsliga für den GAK und war Teil mehrerer nationaler Auswahlkader. Auch er gehörte 1962 zur Traditionsmannschaft.
In den folgenden Jahren schließen sich zahlreiche ehemalige Spieler der Traditionstruppe an, darunter Engelbert „Nobby“ Breiner, Walter Koleznik, Willy Huberts, Gerfried Hodschar, Mario Zuenelli oder Werner Maier. Der Spielplan 1988 zeigt Begegnungen mit internationalen Mannschaften aus Deutschland, der Slowakei, Kroatien und Ungarn.
Neben dem sportlichen Betrieb spielt auch die Geselligkeit eine große Rolle. Es gibt Weihnachtsfeiern, Seniorentreffen, ein eigenes Schnapsturnier und die jährlich erscheinenden „GAK’61-Informationen“ mit Berichten und historischen Beiträgen.
Ab 2018 erlebt der Traditionsfußball mit dem Benefiz-Hallenturnier der Legenden eine punktuelle Wiederbelebung. Neben dem sportlichen Wettkampf steht der gute Zweck im Mittelpunkt. Für den GAK waren unter anderem Mario Bazina, Mario Tokic, Zlatko Junuzovic, Klaus Spirk oder Herbert Rauter im Einsatz. Betreut wird das Team traditionell von Savo Ekmecic.
Abseits davon treffen sich ehemalige Rote seit Jahrzehnten in unterschiedlichen Runden, verbunden durch die Gemeinschaft im Fußball und die zum GAK.
Wolfgang Gruber
Fotos: Fischer/Sammlung GAK 1902, Archiv Dr. Olaf Stanger, Sammlung Hansi Schilcher, GEPA
Herzlichen Dank an Dr. Olaf Stanger und Hansi Schilcher für das Fotomaterial.