Rückkehr in die Heimat
Aktuelles / Geschichte / Wolfgang Gruber / Donnerstag 04.06.2026

Rückkehr in die Heimat

Nach gut 11 Jahren Liebenauer „Exil“ kehrt der GAK im Sommer 1986 auf seine traditionsreiche Heimstätte zurück.

Am 14. Juni 1975 geht eine Ära zu Ende – die Rotjacken feiern zwar nach einem Jahr Zweitklassigkeit den direkten Wiederaufstieg ins Oberhaus, aber nach knapp 73 Jahren ist es das vorerst letzte Pflichtspiel auf ihrer traditionsreichen Spielstätte in der Grazer Körösistraße, die seit 1902 die sportliche Heimat des GAK ist. Ganze 11 Jahre sollte es bis zur Rückkehr dauern, die dann aber schon nach 11 Saisonen wieder vorbei ist. Die Tennissektion bleibt freilich weiterhin (und bis heute) auf dem südlichen Teil des Areals.

Am 30. Juli 1902 wird bekannt, dass auf der so genannten „Hauptmühlwiese“ in der Körösistraße der Sportplatz für den gerade eben neu gegründeten Grazer Athletiksport-Club angelegt wird, am 18. August das erste Fußballtraining stattfinden soll und am 14. September das erste Spiel stattfinden wird. Parallel dazu sollen auch die Tennisplätze bis 20. August fertiggestellt sein. Danach folgen noch Leichtathletikanlagen und 1903 ein erstes Klubhaus. Die erste Tribüne wird murseitig 1912 errichtet, ebenso eine Anlage für die Zeitnehmung. Anfang der 1920er-Jahre kommt es erstmals zu einer grundlegenden Sanierung des Platzes (Laufbahn mit überhöhten Kurven, neue Tribüne auf der Ostseite).

Nach 1945 wird zunächst die Osttribüne überdacht. 1952 übernimmt der Sportdachverband ASVÖ die Grundstücke vom Grundbesitzer, dem Älteren Grazer Bäcker-Mühlenkonsortium und verpachtet sie an den GAK. In der Folge wird auf der Westseite eine Betontribüne gebaut (1961 erweitert). Die ebenfalls hölzerne Osttribüne wird 1969/70 ersetzt. Allerdings entspricht das Stadion schon lange nicht mehr den Anforderungen an eine moderne Sportstätte (alleine schon die Umkleiden und Duschen für die Spieler waren nicht mehr zeitgemäß). Mehrfach gab es Versuche, vor allem nach der Einstellung der Leichtathletik-Sektion 1963 auf der Süd-, aber auch auf der Nordseite die Tribüne näher an das Spielfeld zu rücken.

1975 fiel dann die Entscheidung für eine grundlegende Sanierung, die am Ende auch eine Flutlichtanlage beinhalten sollte. Ab da spielte man im Bundesstadion in Liebenau und trainierte teilweise in der Körösistraße. Es dauerte allerdings bis 1982 bis zumindest einmal der Neubau des Klubhauses gestartet werden konnte. Und erst vier Jahre später war es dann soweit: die sanierte und ausgebaute Spielstätte konnte in Betrieb genommen werden.

Auf der Südseite wurde eine neue Stehplatztribüne – um VIP-Boxen ergänzt – errichtet und das Spielfeld weiter nach Süden gerückt. Damit konnte man auf der tribünenlosen Nordseite einen kleinen Trainingsplatz und in der Nordostecke Parkplätze errichten. Auf der Westseite wurde südlich der bestehenden Anlage eine weitere Stehplatztribüne angeschlossen. Auf der Ostseite blieb der Neubau von 1969/70 im Wesentlichen erhalten. Eine Flutlichtanlage und weitere Überdachungen sollten folgen, lediglich die Ehrentribüne auf der Westseite erhielt später noch ein Dach.

Die Neuzugänge Hauser, Haase (2. v. li.), Loske II und Kopsche mit Coach Schwanner beim ersten Training am GAK-Platz am 23. August 1962 © Fischer/Sammlung GAK 1902
Die „inoffizielle“ Eröffnung der sanierten Sportstätte in der Körösistraße am 6. Juni 1986 mit einem Spiel ehemaliger Aktiver (weiße Dressen) gegen Mitglieder des Anhängerclubs unter der Leitung von Heribert Kasper © Fischer-Sammlung GAK 1902]
Die Neuzugänge Hauser, Haase (2. v. li.), Loske II und Kopsche mit Coach Schwanner beim ersten Training am GAK-Platz am 23. August 1962 © Fischer/Sammlung GAK 1902
Das letzte offizielle Spiel am GAK-Platz: die Meisterschaftsbegegnung gegen Austria Wien am 3. Juni 1997 mit Ales Ceh in voller Aktion (dahinter ist Damir Muzek zu sehen) und einem weinenden Fußballgott … © GEPA

Am 30. Mai 1986 fand das letzte Spiel im alten Liebenauer Oval statt (freilich wechselte man noch gelegentlich für Flutlichtspiele dorthin). Am 12. August gab es die offizielle Eröffnung mit einem Freundschaftsspiel gegen Udinese Calcio, die ersten beiden Meisterschaftsheimspiele der neuen Saison wurden bereits auf der sanierten Anlage, nunmehr als „Casino Stadion GAK“ genannt, ausgetragen. Am 21. Juli gegen VÖEST Linz und am 5. August gegen die Wiener Austria – beide Spiele endeten übrigens jeweils mit einem 2:0-Heimsieg der Rotjacken.

Allerdings gab es schon am 6. Juni ein quasi „inoffizielles“ Eröffnungsspiel von ehemaligen Aktiven gegen Mitglieder des Anhängerclubs auf der Baustelle. Bei den „Alten Herren“ waren unter anderem Erwin Hohenwarter, Gottfried Lamprecht, „Gigi“ Brettner und auch Trainer Gernot Fraydl am Feld sowie das eine oder andere Vorstandsmitglied (wie beispielsweise Peter Tabor). Als Schiedsrichter fungierte Ehrenpräsident Heribert Kasper. Über das Ergebnis diese „Jux“-Partie ist nichts bekannt ...

Die Freude um die Rückkehr auf den traditionsreichen eigenen Platz wehrte auch nicht allzu lange. Es folgt 1990 der sportliche Absturz in die 2. Liga und finanzielle Probleme, die zum Verkauf des erst wenige Jahre alten Klubhauses führte. Letztlich folgt seitens der Politik die Entscheidung, in Liebenau ein neues Stadion für beide Grazer Klubs nach damals modernen Gesichtspunkten zu bauen. Bereits 1994 war vom Verkauf des GAK-Platzes die Rede, der Stammverein wollte in diesem Zusammenhang mit dem Erlös Trainingsplätze in Messendorf bauen lassen.

Jedenfalls erlebte das Casino Stadion noch den Wiederaufstieg 1995 unter Jahrhunderttrainer Thomale und eine volle Saison Erstligafußball. Für die Saison 1996/97 wechseltem die Rotjacken zunächst ins Alpenstadion nach Kapfenberg – wohl eher aus strategischen Gründen. Die letzten vier Heimspiele trug man nämlich wieder in der Körösistraße aus. Am 3. Juni 1997 gingen dann nach einem 0:0 gegen Austria Wien die Lichter endgültig aus …

Der altehrwürdige Sportplatz fungierte noch als Trainingsstätte und für Spiele der Amateure, aber nach der Eröffnung des Trainingszentrums in Weinzödl kam dann das endgültige Ende. Nach der Meisterfeier und dem Abschiedsspiel für Ales Ceh erfolgte 2005 der Abriss der Anlage. Heute steht auf dem Areal eine Wohnhaussiedlung und nichts erinnert mehr an die einstige Funktion.

Abschließend noch eine kleine Bilderreise durch die letzte Bauphase im Sommer 1986 und den ersten Spielen ...

Fotos: © Fischer/Sammlung GAK 1902, GEPA

Fotos

DER GRAZER STADTKLUB - gegründet 18.08.1902